Band 
Erster Band.
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Kenntniß der Baumaterialien; von dem Mörtel . 217

»brauche man mehr, bald weniger: deswegen hat Loriot bei der An-»gabe des Vierthcils über die Gesammtmenge von Sand und Ziegel-»mehl dies als das mittlere Verhältniß angegeben und dabei einen»Kalk von mittelmäßiger Qualität benutzt, der gleich bei dem Austra-,gen aus dem Ofen verarbeitet wurde; ist er aber schon lange»gebrannt, so müßte man mehr nehmen, wie man weniger nehmen»muß, wenn eS ein Kalk von vorzüglicher Qualität wäre, der aus»hartein Stein gebrannt viel Wasser anschluckt.« Er seht hinzu, daßdie zu jener Zeit in Paris und der Umgegend gemachten Versuchezeigten, daß man ein Drittheil Kalk nehmen müsse, weil er dajelbstdem gemeinen guten Kalk an Güte nachstehe.

Dieser Zuschlag von lebendigem Kalk, den Loriot zwischen einViertel und Drittel der bei der ersten Bereitung des Mörtels ange-wandten Menge von Sand und Cement bestimmt, saugt das in dieserMischung enthaltene Wasser schnell ein, was auch bewirkt, daß erbeinahe eben so schnell erhärtet, als Gyps.

Wendet man diesen Mörtel zum Wasserbau an, so scheint eranfangs die vortheilhafteste Wirkung hervorzubringen, und wegen derSchnelligkeit, mit der er erstarrt, selbst dem Puzzolan-Mörtel vorzu-ziehen zu seyn; aber da die Menge des Kalks beinahe das Doppeltevon der ist, die der Gebrauch und die Erfahrung bestimmt haben, umin Verbindung mir dem Sand und Ecment einen festen Körper aus-zumachen, so ergiebt sich daraus, daß der Loriot'schc Mörtel nachVerfluß einer gewissen Zeit den Vortheil verliert, den er bei seinerVerarbeitung darbieter, während der gewöhnliche Mörtel im Gegen-theil eine Dauer und Härte erlangt, die stets zunimmt, und die da-mit endigt, daß sie so groß wird, als die von harten natürlichen undkünstlich gebrannten Steinen.

Da ich Gelegenheit hatte, den Aestrich zu untersuchen, der unterder Aufsicht Loriot's seit ungefähr 15 Monaten als Bedeckung derTerrasse von der Sternwarte zu Paris verfertigt worden war, sobemerkte ich, daß dieser Aestrich äußerlich eine glatte und dünne, sehrKarte Oberfläche zeigte, aber sobald diese Oberhaut verletzt war, fandman, daß das Innere bei weitem weniger Dauer und Härte hatte,als ein guter Cementmörtel.

Diese Menge von lebendigem Kalk, die man dem Loriot'schenMörtel zusetzt, macht ihn für Mauerwerk und besonders für Gemäuerüber der Erde, das eine geringe Dicke hat, zu trocken: er saugt daher