220 Kenntniß der Baumaterialien; 1. Abtheil. 3. Kap.
«folgt hier eine Angabe, um ihr Urtheil gewiß zu machen: man„bemerkt, daß, wenn der Kalk gleich gut gebrannt und ganz wieder„lebendig gemacht ist, sich beim Verschaffen zumOsenloch, wie wenn„man ihn austragen wollte, plötzlich eine schöne weiße Flamme„erhebt, welche von der plötzlichen Mischung des Kalkdunstcs mit der„äußern Luft entsteht."
ES giebt noch eine andere Methode, bei der man sich wenigertäuschen kann, und welche anfangs ein oder zwei Mal zu befolgengut seyn wird; sie erfordert weder Berechnung noch Zurüstung vonWerkzeug.
„Man wiegt ein Stück lebendigen Kalks genau, legt es auf die«Seite, um es an der Luft ablöschen zu lassen, mißt das Volumen„deS von diesem Stück herkommenden Kalkstaubs so genau als mög-lich, und wenn beim Austragen aus dem Ofen ein gleiches Volumen„nicht mehr, als dasselbe Gewicht hat, welches das Stück lebendigen„Kalks hatte, so ist es keinem Zweifel unterworfen, daß die zweite„Calcinirung den Kalk in denselben Zustand versetzt hat, in bey; xr„vor dem Zerfallen an der Luft war."
Ein Stück lebendigen Kalks kann der Luft ausgesetzt bisseines Gewichts gewinnen, es ist schon zu Staub zerfallen, wenn esum '°/«o sich vermehrt hat.
Was die Art der Anwendung dieses wieder lebendig gemachtenKalkes anbelangt, so stimmt dabei de Morveau mit Loriot übereinund bemerkt bloß, daß die Mischungsverhältnisse, die ihm am sicher-sten geschienen haben, seyen: 3 Theile feinen Sand, 3 TheileCement von gut gebrannten Ziegclstücken, 2 Theile Kalkals Teig gemessen und 2 Theile wieder lebendig gemachtenKalkstaubs. Er empfiehlt besonders bei der Verarbeitung und Mi-schung des Kalkstaubs schnell zu verfahren, weil davon nach seinerMeinung der ganze Erfolg abhänge, und um die Wichtigkeit davonkennen zu lernen, „dürfe man nur Mörtel von derselben Pfanne„(Löschkosten) voll zu drei verschiedenen Zeiten in drei gleiche Gefäße„ aus gebrannter Erde schütten: das im ersten Zeitabschnitt gefüllte„Gesäß wird zerspringen, wenn der Mörtel gut und dick genug an-gemacht ist; der Mörtel des zweiten Gefäßes wird hart und fest„werden, wenn man ihn nach dem Hineingießen nicht mit der Kelle„umrührt, weil er bei dem Hineinschütten gerade noch die nöthige„Kraft hat, um in dem Raum, den er einnimmt, auf sich selbst