2Z6 Kenntniß der Baumaterialien; t. Abcheil. 4. Kap.
da der GypS schneller erhärtet, als der Mörtel, mit dem man ihnvermischt, der Anwurf dem Aufreißen unterworfen ist. Vielleicht ver-wendeten sie ihn, wie wir, bei dem Bau von gewöhnlichen Häusernin Ländern, wo er reichlich vorkam.
Theophrast und nach ihm PliniuS zählen die Fundorte auf, wo-her die Alten den Gyps bezogen- Es scheint, daß dieser Baustoff zurZeit des Letzter» in Italien noch nicht ausgebeutet wurde, dessen Bo-den jedoch an verschiedenen Orten sehr reich an diesem Matcriale ist.Der Gyps, sowie die andern Stoffe, wechselt nach den Ländern undder Stein- oder Gypsart, aus denen er gebrannt ist.
Unterscheidungs-Kennzeichen der Gypssteine.
(Gypssteine sind Verbindungen der Schwefelsäure mit Kalkerdc:sie unterscheiden sich von den Kalksteinen dadurch, daß sie nicht mitSäuren aufbrausen. Glüht man Gypsstein, so verliert der Steinseinen Zusammenhang, indem sein Krystallwasser verflüchtigt wird,und der Stein in ein Pulver zerfällt (gebrannter Gyps),- solchesmit Wasser zu einem Brei angerührt, zu einer steinharten Masse er-härtet, indem das eingcsogene Wasser wieder im Zustande des Kry-stallwassers sich mit dem Gyps verbindet, und ein Hydrat bildet; zugleicher Zeit findet eine geringe Temperatur-Erhöhung statt.
Bei etwas stärkerer Hitze als zum Fortschaffen seines Krystall-wassers erforderlich ist, bakt er zusammen, und verliert damit dieFähigkeit mit Wasser eine harte Masse zu bilden. Er heißt danntodt gebrannter Gyps.
Accum I. Bd. S. 338.
Man kann einen Gypsstein durch den Geruch erkennen, wennman ihn mit Kohle bis zum Glühen erhitzt: es zersetzt die Kohle einenTheil der Schwefelsäure durch Verbindung mit ihrem Sauerstoff zuKohlensäure, die entweicht. Der freigewordene Schwefel verbindetsich mit dem Kalk zu Schwefel- oder Kalkleber von sehr wenigemZusammenhang. Dieses geht an der Oberfläche vor, und schadet umso weniger, je größer die Stücke sind. Die Söhwefclleber zieht nach-her Feuchtigkeit an, zersetzt dabei das Wasser durch Annahme seinesSauerstoffes zu Schwefelsäure, die sich wieder mit dem Kalk zu Gypsvereinigt. Der Wasserstoff aber entweicht mit etwas Schwefel alsgeschwefeltes Wasserstoffgas, das den bekannten Geruch der faulenEier hat.