Kenntniß der Baumaterialien; von dem Gy§s. 241
Die Gypssteine müssen zuvor nach ihrer Güte gesondert und vonden anhängenden fremdartigen Theilen genau befreiet werden, be-sonders vom Thon, der häufig mit Gyps vermischt einbricht, undzum Todtbrennen Gelegenheit giebt.
In dem wasserhaltigen Zustande besteht der Gypsstein aus22,91. Kalkerde, 46,31 Schwefelsäure und 20,78 Wasser. Der ge-brannte Gyps enthält 41,53 Kalkerde und 58,47 Wasser.
Mangcr erhielt aus 1 Kubikfuß Sperenbergcr Gypsstein, der145 Pfund 5 Loth wog, 119 Pfund 8 Loth gebrannten Gypses.Dieses Quantum gab bei dem Gießen 2"/,<-o Kubikfuß gegosse-nen Gyps.
Allgemeine Bemerkungen über die zweckmäßige Anwen-dung des Gypses in der Baukunst.
Beim Bauwesen wird der Gyps für sich allein, oder mit Sandoder Sandmörtel vermischt, angewendet. Der Sand muß rein undscharf, besonders ohne Thontheile seyn. Ist er eisenschüssig, so saugter das Wasser schnell ein, und der Gypsmörtel bindet schneller. DieVölker des Alterthums bedienten sich des Gypses ohne andere Beimi-schung zum Stucco. In einigen Felsengrabmälern in der Nähe vonRom sieht man hiervon noch Ueberreste. Aber sie bedienten sich desGypses nicht als Mörtel zu Mauern im Innern oder zu Guß-gewölben.
Gypsmörtel kann nie die Stelle des Kalkmörtels ersetzen, weiler nur unter solchen Umständen angewendet werden kann, wo er im-mer im Trockenen bleibt, denn an feuchten Orten verliert er seinebindende Kraft: der Kalkmörtel hingegen, wenn er erst ausgetrocknetist, kann durch nichts wieder erweicht werden. Es ist daher sehrunzweckmäßig, Fugen, insbesondere die von Hohlziegeln mit Gyps-mörtel auszustreichen und zu befestigen. Die damit gemachten Dächersind von keiner Dauer, und der Mörtel fällt nach kurzer Zeit vonden Dächern ab.
Zum Vergießen der Werksteine bei den Treppen, Plinten, Bal-kons rc. sollte man sich des Gypses ebenfalls nicht bedienen, weil der-selbe an solchen Orten, die der Nässe ausgesetzt sind, 'seine bindendeKrall verliert. Zwischen eingeschlossenen Steinfugcn erfolgt die Aus-trocknung des Gypsmörtels äußerst langsam, und vielleicht nie, wennder Zutritt der Luft gänzlich abgehalten wird. Man hat bei Gebäuden,Rondcltt'sKunstzubaucn. l.TH, 16