240 Kenntniß ver Baumaterialien; 1. Abtheil. 4. Kap.
nun wird er mit der Kelle zu einem Brei von gleicher Dicke ange-rührt. Je bindender der Gyps ist, desto geschwinder muß erangemacht werden, um Zeit zum Auftragen zu haben, ehe er zuerhärten anfängt.
Man nimmt mehr oder weniger Wasser zum Anmachen desGypses, je nachdem die damit zu fertigenden Arbeiten sind: hat manseine ganze Bindungskraft nöthig, so gießt man nur so viel Wasserhinzu, daß er gleich verarbeitet werden kann; dies nennen die Maurerdick anmachen. Nimmt man mehr Wasser dazu, so heißen sie ihndünn angemacht, und dann darf man ihn nicht so geschwind ver-arbeiten: es kommen Arbeiten vor, wo man ihn noch dünner anma-chen muß, wenn es sich darum handelt, große Flächen damit zu über-ziehen, wie bei der Fertigung von glattem Abputz. Will man endlichStellen ausfüllen, wo man weder mit der Kelle noch mit der Handhinkommen kann, so bereitet man den sogenannten Gypsguß. Diesersehr dünn angemachte Gyps wird durch eigens, aus dickem Gypsbreian dem Haupt der Steine angebrachte becherförmige Gießlö'chcr in dieHöhlungen eingeschüttet: doch muß man von solchem Gypsguß nieeine bindende Kraft erwarten, und nur dann Gebrauch davon machen,wenn die auszufüllenden Theile keine Last zu tragen haben, wie beisenkrechten Fugen, aber nie bei horizontalen Lagern. Dieses Verfah-ren ist einer der Mißbräuche, die bei dem Setzen der Hausteine noth-wendig abgeschafft werden müssen; im folgenden Buche wird dieRede davon seyn.
Zusatz des Uebersetzcrs.
(Beim Brennen des Gypses ist größere Vorsicht nöthig, als beidem des Kalkes. Glühen darf er gar nicht; man darf einen gewissenHitzgrad, den die Erfahrung lehren muß, nicht überschreiten. Daherbrennt man ihn in England nach Watson nur bei Nacht, um denGrad des Glühens besser beobachten zu können. Seine Gahre erhälter am besten, wenn er fast bis zum Rothglühen erhitzt wird; zumHellglühen darf er nicht gebracht werden, und das Brennen muß sehrgleichmäßig geschehen, weil nur die Verflüchtigung des Krystallwasscrsbeabsichtigt wird. Man brennt den Gypsstein gemeiniglich in Oefennach der Art der Baköfen, doch bedient man sich hierzu auch derOefen, welche oben offen sind, oder man brennt ihn auch wohl inoffenen mit Holz geschichteten Meilern.