264 Kenntniß der Baumaterialien; 1. Abtheil. 5. Kap.
Physische und chemische Beschaffenheit deS HolzeS.
Alle Bäume, Srräuche und Pflanzen, mit Ausnahme einigerFamilien, z. B. der Pilze, Schwämme und Flechtcngewächse, enthalteneine eigenthümliche fette Substanz, deren unter dem Namen der Holz-faser bereits oben Erwähnung geschehen ist.
Diese Fasersubstanz kommt in verschiedenen Hölzern, Stängeln,Rinden, Blättern, Wurzeln und anderen Theilen der Pflanzen vonverschiedener Feinheit und Länge vor; sie läßt sich aber immer in sehrdünne Fäscrchen mechanisch zergliedern. Flachs, Hanf, Baumwollesind Abänderungen dieses Faserstoffs; gewöhnliches Papier besteht auSHolzfasern, die silzartig in einander verwebt sind.
Da die Holzfasern durch ein lockeres Zellengewebe mit einanderverbunden sind, so läßt sich demnach die Faserlage sowohl leicht voneinander spalten, als auch bis auf einen gewissen Grad der Breiteund Dicke noch näher an einander pressen. Es ist noch keineswegserwiesen, ob eine Holzfaser durch äußere Gewälk vkrkiirzl »verbellkann, wenigstens kommt man darin übcrein, daß dazu eine unge-heuer große Kraft gehöre. Die Holzfaser ist ferner in der Rich-tung der Länge schwer zu zerreißen, der Quere nach aber leicht zuzerbrechen.
Wären die Holzfasern weder dehnbar, noch trennbar, so würdees fast unmöglich seyn, ein Stück Holz zu zerbrechen. Es leidet aberkeinen Zweifel, daß Holzfasern sich durch eine hinlänglich starke Ge-walt ausdehnen lassen.
Eine Ebene an einem Stücke Holz, welche in der Richtung derHolzfasern liegt, nennt man die Aderseite des Holzes: eine Ebeneaber, welche die Holzfasern quer durchschneidet, die Hirn feitedes Holzes.
Man erhält die Holzfaser im reinen Zustande, wenn Holzspänezuerst mit Wasser anhaltend ausgekocht, der getrocknete Rückstand mitstarkem Weingciste, nachmals mit verdünnter Salzsäure, dann miteiner Auflösung der gewöhnlichen Pottasche, nun zuletzt so lange mitWasser digerirt (durch Kochen in gelinder Wärme nach und nachaufgelöst) werden, als dasselbe auf das Holz noch einige Einwir-kung äußert.
Die Holzfaser ist ohne Geschmack und Geruch, im Wasser,Weingeist, in den Oelcn und in den Pflanzenisäuren unauflöslich. —