Kenntn. d.Baum.; v. d.Werfen ».Schwinden d.Holzes. 267
Stehendes Holz in freien Wänden muß dagegen so eingesetztwerden, daß die kernigste Seite in der Wand liegt, und gegen dieMitte des Gebäudes hin gerichtet ist; in diesem Falle können dieStänder sich weder in- noch auswärts krümmen; sondern stemmen sichgegen die Mitte hin einander entgegen, und werden durch die Riegelaus einander gesprcitzt.
Freistellende Säulen sollten rund gelassen, oder wenigstens nurachtkantig beschlagen werden, überhaupt hat man an gerade gewachse-nen Stämmen nicht leicht ein Verwerfen zu befürchten.
Diese Vorsichtsregeln sollten nie vernachlässigt werden, auch wennman sich des trockensten Holzes zum Bauen bedient; denn man istniemals sicher, daß das trocken scheinende Holz nicht noch etwas nach-trocknet. Die Erfahrung lehrt, daß eichene Planken (Dielen), welchedrei Jahre lang in einem lustigen Holzschauer (Schuppen) aufUnterlagen gelegen haben, oft noch sehr merklich in der Breiteschwinden.
Zk langsamer und regelmäßiger das Holz austrocknet, desto we-niger hat man ein Verwerfen desselben zu befürchten. Ost werfen sichBretter, wenn sie abwechselnd der Witterung und Luft ausgesetztsind, so daß die beiden Rinden-Enden hervorspringen, der Kernaber zurückbleibt.
Legt man die Kernfeste heraus, so ziehen sie sich auswärts krummund werden im Mittel hoch; legt man aber die Kernseitc einwärts,so ziehen sie sich einwärts krumm und werden muldenförmig. Umdieses zu verhüten, spalten die Tischler zuweilen jedes Brett in derMitte des Kerns von einander und schieben die Theile beim Bau inspitzwinklichten Spunden auf einander, so daß allemal die Rindenseitemit der Kernseitc wechselt. Hierdurch wird das Werfen verhindert,weil dann die Kernseitc und die Rindenseite sich allemal in entgegen-gesetzter Richtung werfen, dadurch aber, daß die Rindenseite mit derKernseite verbunden ist, die Bretter gleichsam verkettet werden undsich unter einander festhalten.
Wird der Wassergehalt dem Holze schnell nur an einer Flächeentzogen, so zieht sich die äußere Holzlagc, vorzüglich das Spiegelge-webe, in einen engeren Raum zusammen, bei Erhöhung der Tempe-ratur entwickeln sich aus den inneren Holzfasern Wasserdänrpfe unddurch ihre ausdehnende Kraft entstehen Risse und Sprünge, als na-türliche Folgen solcher Ausdehnung.