Vorbemerkungen üb. d. Stcinschnitt u. Consiruction:c. 109
Steine ohne Stütze in der Mitte, wenn nur der Widerstand derScitenpfeiler groß genug ist, ihre Trennung zu verhindern').
Die Erfahrung lehrt, daß dieß Bestreben der Steine, sich zutrennen, bei gleicher Schwere desto größer wird, je niedriger der Win-kel im Verhältniß zur Breite oder Basis ist, so daß es am größtenwird, bei zwei horizontalen Steinen, Fig. 1, welche sich in der Mittedes von ihnen gedeckten Raums nur berühren.
Es muß indessen bemerkt werden, daß erwähntes Bestreben durchVergrößerung der auf der Mauer oder den Widerlagern aufliegendenTheile der Steine oder durch eine daselbst aufgelegte Last vermindertwerden kann; denn es ist klar, daß wenn der aufliegende Theil oderdas Auflager eines solchen Steines dem hervorstehenden Theile oderdem Vorsprunge gleich wäre, sich jeder Stein für sich auf seiner Un-terlage im Gleichgewicht befände und dazu keiner weiteren Unterstützungbedürfte. Dasselbe kann der Fall seyn, wenn das Auflager kleinerals der Vorsprung ist, sobald nur jenes in Verbindung mit der darausangebrachten Last hinsichtlich seiner Wirkung dem letzteren gleich kommt.
Werden statt zweier horizontaler Steine deren mehrere genommen,wie in Fig. 2, so kann ein beträchtlicher Raum mit über einandervorspringenden Steinen überdeckt werden, welche den Vortheil haben,sich ohne Seitendruck zu unterstützen; sie geben dagegen keine annehm-bare Form, wegen der Absätze, welche die Steine bilden; will mandiese Absätze nach der geraden oder krummen punktirtcn Linie abschnei-den, so entstehen spitze Winkel, denen es an Solidität fehlt. DieseConstructionsart darf daher nur bei Werken von geringer Wichtigkeit,oder bei besonders gesuchter Einfachheit angewendet werden, wie iches bei einem alten Grabe gesehen habe, das im Inneren rings umaus vier Reihen Absätzen von etwa 15 Zollen bestand und obendurch eine viereckige Decke von 5 Fuß geschlossen war, so daß dieMauer nach allen Richtungen 15 Fuß hatte ^).
1) Die Aegyptier haben bisweilen diese Anordnung zu Decken von Tod-tenkammern angewendet, die in der Hauptmasse des größten Theils ihrerGräber angebracht sind, wie man dieß in der unteren Kammer der großenPyramide sieht; ebenso auch, um den Steinen znr Erleichterung zu dienen,welche den Sturz der in die massiven Theile gebrochenen Oeffnungen bilden.Man sieht ein Beispiel hiervon am Eingang des gedachten Monuments.
2) Im Val di Noto in Sicilien sieht man eine antike Cifterne, die un-gefähr auf dieselbe Weise mit Steinen überdeckt ist. Man findet eine Zeich-