Vorbemerkungen üb. d. Steinschnitt u. Construction rc. 121
Man weiß, daß die allen griechischen und römischen Baumeisteralle ihre Werke ohne Mörtel und Unterlagen (Keile) bauten, dieGewölbe wie die übrigen. Unter den Neueren dagegen verseht dergrößte Theil, bei Gewölben, wie bei Mauern und Pfeilern'), dieSteine, nachdem sie zugerichtet und an ihre Stelle gebracht sind, mitmehr oder minder großen Keilen, je nach der mangelhaften Beschaf-fenheit der Steine, und füllt die Fugen mit Mörtel oder mit dünnangerührtem Gyps. Wir bemerken indessen, daß, da die Fugen derGewölbe mehr oder weniger geneigt sind, dieß Verfahren hier wenigerUnbequemlichkeiten hat, als bei Mauern, bei denen das Lager derSteine horizontal ist; weil es im zweiten Falle leichter ist, die Fugengut zu füllen, als im ersten. Um Gewölbstcine gut zu setzen, mußman, nachdem die Fugenflächen gut angefeuchtet sind, damit derMörtel besser stießt und überall hinbringt, diese Flächen unten mitHanf auslegen; hierauf mit dünnem Gyps füllen, den man in demMaße dicker macht, als sich die Fugen mehr anfüllen; man hört miteinem dicken Mörtel auf und dieser verschluckt zum Theil das Wasserdes zu dünnen. Man kann selbst das überflüssige Wasser abfließenlassen, indem man in die mit Hanf belegten Fugen einige Löcher oderAbzüge macht und zwar nach Maßgabe, als man oben von neuemMörtel eindringen und so nach und nach den dünnen Gyps ersetzenläßt. Manche mischen ein wenig Gyps unter den dünnen Mörtelund hoffen so die Verdünnung des Mörtels durch das Aufgehen oderAufquellen des Gypses auszugleichen; allein dieses Mittel ist täuschend,weil ganz dünn angerührter Gyps nicht aufgeht und nur die Gütedes Mörtels vermindert.
Diese Elementarinstructionen genügen zur Erleichterung des Stu-diums der Gewölbe in Bezug auf die Stcreotomie. Was noch hin-sichtlich ihrer Construction zu sagen übrig ist, beruht auf theoretischenKenntnissen, welche diejenigen Bedingungen und Grundsätze derStatik aus einander setzen, vermöge welcher sich die Gewölbe tragen.Dieser wichtige Gegenstand, einer der schwersten in der Kunst desBauens, macht den Gegenstand der 6. Abtheilung des 9. Buches aus.
wo das Gewölbe von den Widerlagern abweicht, dergestalt zunimmt, daß siedicr das Doppelte ist.
>> Siehe oben Seite 29.