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Zweiter Band.
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Von den horizontalen Ueberdcckungcn ohne Steinschnitt. 123

aufmerksam macht, daß die Hülfsmittel, durch welche die Aegyptierdiese Gleichartigkeit in ihren Bauwerken erhielten, damals als dieeinzig möglichen erkannt waren, wird man leicht begreifen, daß dieGriechen, gewohnt, sich freie, große Räume durch Zimmerwerk zuverschaffen, Anstand nehmen mußten, diese Räume durch Pfeiler zuversperren, die zur Unterstützung einer Decke von Stein nothwendigwaren. Deßhalb waren bei diesem Volke die Säulenhallen, dieVestibüle, die Gallerien, welche der Natur ihrer Bestimmung nachsich besser zu dergleichen Dispositionen eigneten, die einzigen Bauwerke,die auf ägyptische Weise behandelt werden konnten.

Es ist zu bemerken, daß in den bis jetzt erhaltenen Denkmälerndieser beiden Völker die auf diese Art ausgeführten Plafonds nicht dieEigenschaft haben, architektonische Anordnungen zu tragen. Nichts isteinfacher und als Decoration weniger geordnet, als die Anordnungder Steine, welche den Himmel der ägyptischen Monumente bilden;dieß laßt sich leicht aus den Fig. 1, 2, 3, Tafel XXVIII, erkennen,welche den Grundriß, den Durchschnitt und die Soffiten des hypo-stylischen Saals (s»IIe Ii^postzle) des großen Tempels von Kamakvorstellen. Dieses Beispiel unter vielen andern, in dieser Hinsichtnicht weniger treffenden, gewählt, stellt wirklich nur das Resultat dergewöhnlichen Praxis dar.

Man findet einen nicht weniger auffallenden Contrast in denTheilen einiger griechischen Tempel, deren marmorne Soffiten bis aufuns gekommen sind. Es ist unmöglich, in den aus Querstückcn undSteinplatten zusammengesetzten Feldern, welche die Vorhalle (Pronaos)und die Flügel des Theseustempcls zu Athen , Fig. 7, 8, l>, bedecken,keine Kunst zu erkennen. Das Vestibül der Propyläen, angelegt,um auf dieselbe Art beendigt zu werden, konnte wohl keinen gcnü-

des Philon von Byzanz über dieses Denkmal urtheilen, die voller Lob überdie gigantischen Dimensionen seiner Architektur sind, zweitens, weil daswenige, welches Piinius, der als das Echo des Alterthums betrachtet werde»darf, über dieses Wunderwerk der Welt mittheilt, ganz bestimmt ist, dieHohe und die Dersennngsart so großer Architrave als ein Wunder zu be-zeichnen; endlich weil man im Virruv die Mittel angegeben findet, welchezur Forlscbaffung so großer Dianen angewendet wurden. Mit einem Worte,alles trägt dazu bei, uns zu zeigen, bis zu welchem Punkte der Geist derAuen aus die Schwierigkeiten aufmerksam war, wclcbe eine (sonstruciiono-weise darbietet, die stets kühn und mancbiiial aefabrlicb ist.