Von drn horizontalen Ueberdeckungen mit Steinschnitt. 131
kam dadurch selbst darauf, mittelst vorspringender Felder (Bossage)die einzelnen Steine erscheinen zu lasten, aus denen die Architravezusammengesetzt waren, wie es an den Aufenthaltsorten (earesires^der Fall ist, die zur Zeit Domitians zum Gebrauch der Amphitheatererbaut wurden.
Uebrigens beweisen die Vorsichtsmaßregeln, welche die Römer beiAnwendung dieses Mittels unter gewissen Umständen nahmen, ihrevollkommene Einsicht in die Vortheile und Mangel desselben. Sosieht man am Theater des Marcellus in Rom Arten von Zapfen undEinschnitten in den Fugen der horizontalen Decken, welche die erstenGewö'lbsteine (retomdees) der Gewölbe des zweiten Rangs unter-stützen. Diese Anordnung ist in Fig. 7 vorgestellt; v bezeichnet diestehen gebliebenen Vorsprünge oder Zapfen in dem Steine sVV ').
Die Einrichtung einer Thüre in Hausteinen im Innern des Grab-mals der Cocilia Mctella bicter ein noch bemcrkenswertheres Beispieldieser Art dar. Der Sturz dieser Thüre ist eine horizontale Ueber-deckung, deren keilförmige Theile einen doppelten Schnitt auf jederSeite haben, wie man es in Fig. 8 sieht.
Endlich scheint die Einrichtung horizontaler Ueberdeckungen nie-mals besser verstanden worden zu seyn, als in den alten Werken derRömer. Als Beispiel dieser Art kann man eines der Thore des Pa-lastes Diokletians zu Spalatro anführen, dessen sinnreiche Structurfrüher der gelehrte Georg Whclcr bewunderte, und welches uns meh-rere neuere Reisende durch sehr umständliche Zeichnungen bekannt ge-
Händen der Architekten, welche im Anfang des sechszehnten Jahrhunderts inItalien blühten. Außer den Werken derjenigen unter ihnen, welche über ihreKunst geschrieben haben, kann man über diesen Gegenstand noch das interes-sante Werk der Herrn Percier und Fontaine über die Paläste und HäuserRoms mit Nuyen zu Rathe ziehen.
t) Man sieht etwas ähnliches in den Gewölbefugen mehrerer antikerBogen und besonders an denen des Coloseums. Statt der beim Zuhauender Steine stehen bleibenden Vorsprünge sind bisweilen Würfel von 3 — 4Zoll Seite eingelassen. Mehrere neuere Architekten haben statt derselben indie Fugen horizontaler Ueberdeckungen bleierne Kugeln von 2 Zoll Durch-messer gebracht; ich habe selbst zu diesem Zweck runde Kiesel angewendet ge-sehen und glaube, daß sie, mit Sorgfalt, eingeschnittcn und eingesetzt, denBleikugeln vorzuziehen sind, weil sie mehr Festigkeit haben.
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