Von den Treppen, Gewölben und Brücken. HZ
AuS jedem dieser Punkte und derjenigen, welche zur Derstrcckungder anderen Curve gedient haben und mit denselben Ziffern bezeichnetsind, zieht man gerade Linien, welche die Richtung andeuten, in wel-cher man das Richtscheit auf der oberen Wangenfläche anlegen muß,damit es horizontal von einer Kante zur anderen bis an das Endeder Volute herab gelange.
Zweiter Artikel. Von hölzernen Gewölben.
Die ersten hölzernen Gewölbe waren wahrscheinlich solche, welcheman unter hohen Dächern anbrachte, um in gewissen Fällen im In-neren der Gebäude mehr Höhe zu erhalten, ohne im Aeußeren dasVolumen der in das Auge fallenden Masse zu vermehren. Da dieErrichtung hölzerner Gewölbe keinen so großen Kostenaufwand erfor-dert , als die der gemauerten, so nahm man jedesmal zu diesem Mittelseine Zuflucht, wenn, ohne andere vorhergehende Dispositionen, dieKrcisform als diejenige angesehen wurde, welche zum oberen Schlußdes inneren Gebäuderaums einer geraden Linie vorzuziehen sey. Die-ses Verfahren war den alten Römern bekannt, es scheint aber, nachdem Vitruv, daß sie nur bei besonderen Construktionen Gebrauch da-von machten. Wir haben im 3ten Kapitel der 4tcn Abtheilung des4tcn Buchs, wo von dem Stuck die Rede ist, das Detail bekanntgemacht, in welches sich dieser Schriftsteller über die Formation derGewölbe dieser Art eingelassen hat, und bemerkt, daß die von ihmbeschriebene Verbindung niemals ein solides Werk hervorbringen konnte,sobald sie die eingeschränktesten Dimensionen überschritt. Ucbrigcnssteht es nicht zu bezweifeln, daß die Kunst bei den Alten auch andereMitcl gehabt habe, gekrümmte Flächen von Holz zu bilden, und,ohne nach anderen Beweisen zu suchen, darf man sich nur an daszwischen dem Esquilinischen Berge und dem Capenischen Thore gele-gene Sradtviertcl Roms, genannt, erinnern, dessen kielför-
mig gekrümmte Dächer das Ansehen umgestürzter Schiffe darboten.
Die große Höbe, die man ehemals den Dächern gab und dieAnordnung der Stücke, woraus sie zusammengesetzt waren, machtensie sehr geeignet, die äußere Rundung der Gewölbe in sich aufzuneh-men, ohne daß daraus ein Nachtheil für die Dauerhaftigkeii des Ge-bäudes folgen konnte. Es blieben zwar die Spannbalkcn und zuwei-len auch die Hängsäulen der Hauptbinder im Inneren sichtbar, auf