Von den Dächern mir ebenen Flächen. 139
Hülfe der vertikalen Zangen l, I, zu tragen, indem letztere auf einesehr solide Weise die drei Theile dieses Dachstuhls verknüpfen und ihnfähig machen, der größten Kraft zu widerstehen.
Man kann in dieser Figur eine regelmäßigere Combination undeine gleichmäßigere Vertheilung erblicken, welches, wie bereits gesagtworden ist, zwei wesentliche Bedingungen bei der Zusammensetzung derDachstühle sind.
Es scheint gewiß zu seyn, daß bis gegen die Mitte des letztenJahrhunderts die Dachstühle der alten Basiliken zu Rom , welche kaumdit» Fuß weit find, als die kühnsten und bedeutendsten Werke der Zim'merwcrkskunst angesehen worden sind, und man kann wohl sagen, daßman vor der Erbauung der Brücke von Wcttingen und des Erercier-hauses zu Darmstadt ') noch nicht alle Hülfsmittel kannte, welchedieser Zweig der Construktion der Architektur darbieten konnte.
Wenn gleich seit der Erbauung der Wcttinger Brücke die Holz-construktion bedeutend vervollkommnet worden ist, so wagte man dochnirgends die Bogenöffnungen auf das Maaß auszudehnen, das diesegehabt hatte; ein Umstand, den man mit Recht als einen Beweis vonZweifel, den dieses Bauwerk gegen seine Dauer erregte, betrachtet hat.Allein wenn man es diesem kühnen Versuche zu verdanken hat, daßdie Grenzen, welche der Verstand diesen Bauwerken vorschreiben muß,erweitert und festgestellt worden sind, so kann man auf gleiche Weisedaraus den Schluß ziehen, daß man bei der Holzconstruktion derDächer noch lange nicht den höchst möglichen Grad erreicht hatte.
Das Ercrcierhaus zu Darmstadt , ungefähr zu derselben Zeit er-baut, war lange Zeit das merkwürdigste Gebäude wegen seiner großenTiefe; ein Vorzug, welchen man nicht bcstreiten kann, der aber nichtsin Hinsicht auf das Zimmerwerk entscheidet, welches nur eine verwirrteCombination von untergeordneten Elementen darstellt, wie man ausder Figur urtheilen kann, welche wir davon auf der Tafel 6XII zudem Zwecke geben, um den Zustand der Kunst in dieser Epoche zueonstatiren.
Man kann daher mit Wahrheit sagen, daß für die Kunst einBauwerk fehlte, welches für diese in der Ausführung so selten vor-
i> Erbaut im Ial-re l77t aus einer rcchtwink lichten Grundfläche von
Jufl Länge und Fuß Breite.