Zweites Kapitel.
Von den Bogengerüsten.
Die einfachste und natürlichste Holzverbindung zur Unterstützung desMauerwerks eines Gewölbes bis zum Einsehen des Schlußsteins , die-jenige, welche zuerst in Anwendung gebracht wurde, ist ohne Zweifeldas vom Boden ausgehende Bogengerüst, aus gekrümmten Holzstücken,welche auf vertikalen, in gleichen Entfernungen von einander, wie die^rdinaten der krummen Linie, Figur 1 der Tafel 6XXVI, aufgestell-ten Stützen ruhen. In der Folge wurde man durch die Schwierigkeit,hinlänglichen Widerstand in dem Boden zu finden, durch die Höhe,in welcher die Gewölbe angebracht wurden, oder durch die Nothwen-digkeit, wie bei den Brücken, einen freien Durchgang für die Schiffezu lassen, gezwungen, jene ersten Anordnungen durch künstliche Com-binationen zu ersetzen. Dergleichen Umstände gaben, aller Wahrschein-lichkeit nach, die Veranlassung zur Erfindung der Bogengerüste, welchenur an ihren Endpunkten unterstützt sind.
Bei der Unmöglichkeit, dem Drucke der Gewölbe bis zu ihrergänzlichen Vollendung einen ganz direkten Widerstand entgegen zusetzen, mußte sich die Aufmerksamkeit natürlich auf die Construktionenselbst richten, welche sie unterstützen sollten, um von ihnen andere festePunkte zu entlehnen. Ein aus zwei Streben und einem Spannbalkenzusammengesetztes Gebinde, Figur 2, war ohne Zweifel die erste Com-bination, die der Zustand der Sache erzeugte, und nacb der Grenze,bei welcher die Alten in Ansehung der Größe der Bogen und Gewölbeihrer Gebäude (6V bis 75 Fuß) stehen geblieben sind, und den mäch-tigen Hülfsmitteln, welche sie bei allen Gelegenheiten entfalteten, zuurtheilen, kann man geneigt seyn zu glauben, daß dieses ursprünglicheSystem, modificirt in dem Verhältniß der Ausdehnung des Raums,