Zweite Abtheilung.
System der Construktionen in geschmiedetem Eisen.
Der seltsamen Idee, die Architektur den nachahmenden Künsten gleichstellen zu wollen, muß man die lange Kindheit der Construktion beiden Alten zuschreiben. Daß sie, in Vergleichung mit den übrigenKünsten, zurückgeblieben war, kommt ohne Zweifel daher, daß, nach-dem man die Formen und Verhältnisse nach Mustern der Zimmcr-werkskunst studirt hatte, der Geschmack sixirt ward, ehe man andereResultate konnte kennen lernen. Sobald die Architektur ein aner-kanntes Vorbild hatte, ward die Wahl der Materialien, welche ge-eignet waren, dasselbe wieder zu geben, wie bei der Sculptur, einzigund allein der Anmuth oder der Dauer, welche sie dem Werke ver-schaffen konnten, untergeordnet. Allein da die Eigenschaften des Holzessich nirgends in einem und demselben Raum anderer Baustoffe wiederfinden, so mußten Nachahmungen dieser Art, in Marmor oder anderenSteinen, nothwendig bei einigen Theilen eine überflüssige Kraft, undbei anderen eine außerordentliche Schwäche darbieten.
Indessen bemühten sich die Alten, weit entfernt, durch alleSchwierigkeiten, auf die sie bei dieser Metamorvbose stoßen mußten,ausgehalten zu werden, die anstößigsten Unwahrscheinlichkeiten zu be-mänteln, und gelangten mit vieler Geschicklichkeit dahin, das Unge-eignete des Materials vergessen zu lassen.
Das ausschließliche Studium der Formen verhinderte sie stets,zu erkennen, daß die einzigen Verhältnisse, welche zwischen den ver-schiedenen Construktionsarten vorhanden seyn können, nur auf dengemeinschaftlichen Principien, der Basis der verschiedenen Systemeihrer Combinationen, beruhen. Als sie z. B. das Metall dem Holze