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2 (1857) Die Geologie von Wallis / von G. H. Otto Vogler
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gegenwärtigen Stande, wenn nicht der Wissenschaft überhaupt,so doch meiner eigenen Wissenschaft halte.

Die Bildung der Ivrystalle deren Wesen ein bisjetzt für uns ebenso unbegreifliches Leben ist, wie das Le-ben, welches die Pflanzen und Thiere erzeugt ist mit derAusübung einer gewissen mechanischen Kraft verbunden.Die Zusammenziehung der Atome aus einer lösenden Flüssig-keit oder aus einer geschmolzenen Masse muss nothwendigselber schon als Wirkung einer hinreichenden mechanischenKraft anerkannt werden, die wir freilich, wie alle Kraft, nichtbegreifen, sondern nur in ihren Wirkungen wahrnehmen. Mitder Ausbildung krystallinischer Individuen ist, auch ohne Ver-mehrung der Masse einer vorhandenen Substanz, stets ßineVermehrung ihres scheinbaren Volumens verbunden, welche vonder Unvollkommenheit herrührt, mit welcher die einzelnen kry-stallinischen Individuen sich unter einander berühren. Die Kraft,welche bei der Ausbildung krystallinischer Individuen von einereingeschlossenen Substanz gegen ihre Umgebung ausgeübt wird,und welche die Gewinnung des Raumes zu der nöthigen Volu-menvermehrung zum Ziele hat, ist sehr bedeutend, bis jetzt abernicht durch eigentliche Messungen geschätzt. Bekannt ist dieungeheure Gewalt, welche das Eis bei seiner Krystallisation aus-übt. -Ich habe gezeigt, dass andere Krystalle sich ebenso verhal-ten 14 )., und indem ich diese Erfahrung zur Erklärung geologi-scher Phänomene zu verwerthen suchte, konnte ich mich einiger-massen den Ansichten nähern, zu welchen einige andere For-scher vom plutonistisehen Standpunkte aus gekommen sind.

Eine Gebirgssehiclrt, welche von neuen und immer neuenSchichten überlagert wird, muss nothwendig krystallinische Um-setzungen ihrer Bestandteile erleiden. Die Krystallindivi-duen, wie gross oder wie klein dieselben immer sein mögen,aus welchen die Schicht oder wenigstens ein Tlieil ihrer Massebesteht, können unmöglich die nämlichen bleiben, während derDruck, welchem die Schicht ausgesetzt ist, sich fort und fortverändert. Auch ohne Zutritt neuer Substanz wird eine Schichtin Folge dieses Verhältnisses einer allmähligen Veränderung

,4 ) Uber die Volumenveränderungen, welche durch die Krystallisationhervorgerufen werden. PoggcndorfTs Annalen der Physik u. Chemie, Bd. 93.1854. p. 66 ff. .