Buch 
Unterricht für die Officiers, die sich zu Feld-Ingenieurs bilden, oder doch den Feldzügen mit Nutzen beywohnen wollen, durch Beyspiele aus dem letzten Kriege erläutert, und mit nöthigen Plans versehen / von Johann Gottlieb Tielke
Entstehung
Seite
170
JPEG-Download
 

170

II. Theil. VIII. Hauptstück.

Dieses Betragen ist unbegreiflich, und habe ichschon öfters darüber nachgedacht, ohne eine gegründeteUrsache finden zu können. Vielleicht geschiehet es ausGewohnheit und Vorurtheil. Beyde vermögen allesübern gemeinen Mann, und will ich daher eine Muth-maßung wagen.

§. r6<).

Wenn man Truppen in Waffen übt, hat man es,aus Gewohnheit, beynahe zur Regel gemacht, daßwenn der angreifende Theil sich der Schanze nähert, dieBesatzung, nach einem kurzen Feuer, sich heraus ziehen,oder gar das Gewehr strecken muß, mithin glaubt derSoldat, daß es allemal nicht anders gehen kann, undda sich also der angreifende und der vertheidigende Theiljeder seines Schicksals vor versichert hält, so ist dererste kühn, der andere furchtsam. Zu dem kommt auchnoch das Vorurtheil, daß die Flinte blos den Feind vonweiten abhalten müsse, wozu hat man aber das Bajo-nett' ja, wenn die Soldaten die Flinten umkehrten, unddie heraufsteigenden mit den Kolben empficngen, oderman gäbe ihnen gar, an statt der Flinten, Dreschflegel,und sie bedienten sich derselben mit Entschlossenheit, sowürde der Feind nicht leicht ohne starke Artillerie eineSchanze erobern können.

§. 270.

Wenn, wie der Verfasser der Reverien verlangt,ein Theil der Infanterie Piquen führte, und damit disBrustwehren vertheidigte, so würde dieses allerdings bes-ser, als alles Feuergewehr seyn. Der General« Schmet-tau war eben dieser Meynung; Er wollte, als die Tür-ken i?Z9. Belgrad belagerten, der Besatzung einer da-bey liegenden wichtigen Redoute zo. halbe Piquen aus-