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Unterricht für die Officiers, die sich zu Feld-Ingenieurs bilden, oder doch den Feldzügen mit Nutzen beywohnen wollen, durch Beyspiele aus dem letzten Kriege erläutert, und mit nöthigen Plans versehen / von Johann Gottlieb Tielke
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169
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Von Linien und Winkeln. 169

gen stellen kann, so ist leicht einzusehen, daß eine sich nurblos selbst vertheidigende Brustwehr für einen heftigenAngriff zu schwach sey, man muß also vor selbige mehrals ein Feuer zu bringen suchen. Diese Absicht aberwird durch die einsund ausgehenden Winkel erreicht.

§. r<58.

Der Graben an und vor sich selbst, wenn er vongehöriger Tiefe und Breite ist, giebt allerdings schoneinen großen Vortheil, und dem Feinde ein schwer zuübersteigendes Hinderniß; denn die Angreifenden sindohne Bedeckung dem Feuer ausgesetzt, und dieses umdesto mehr, je näher als sie der Brustwehr kommen, undwenn sie in den Graben springen, und die Brustwehrbestürmen, können sie ihr Fcuergcwchr gar nicht brau-chen, da gcgencheils die, in der Schanze befindlicheSoldaten, bis an die Brust bedeckt sind, und ihr Feuer-gewehr, nicht allein in der Weite, sondern auch in derNähe, nebst Bajonet, mit Nachdruck brauchen können.Ja es würde, wenn der Graben zumal mit Pallisadenversehen, in den meisten Fällen unmöglich seyn, ihn, unddie, mit Sturmpfählen besetzte Brustwehr, zu erstei-gen, wenn die Vertheidiger in der Fassung blieben.Man sollte, bey Besetzung einer gut gebauten Schanze,es fast nicht für möglich halten, daß sie eingenommenwerden könne, wenn es die Erfahrung nicht so öfterslehrte. Allein Graben, Pallisaden und Sturm - Pfäh-le können nichts helfen, weil gemeiniglich die Soldatenden eigentlichen Angriff nicht abwarten, sondern sichschon ergeben, oder die Flucht nehmen, wenn sie den Feindam Rande des Grabens sehen. (Welches letztere ge-wiß allemal geschehen wird, wenn man Schanzen aufBergen so weit von der Kante zurück legt, daß vonder Brustwehre der Abhang nicht mehr bestrichcn wer-den kann.) L 5 Die-