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die Erfahrungen und Beobachtungen das Richtige erkennenund vom feindlichen Heere auf das eigene übertragen gelehrt.
Haben wir nun anderer Seits schon in demselben Kriegees wohl beachtet, daß unter dem genialen feindlichen Dber-feldherren die ganze Kriegführung wesentlich gegen die früheregeändert erkannt werden muß: daß mächtige Kolonnen aufdie entscheidenden Punkte des Schlachtfeldes in Anwendunggebracht, daß solche, so wie gehäufte Kavallerie- und Artil-lerie-Massen den Kampf allein und bald zur Entscheidungbringen mußten, daß Napoleon durch den Gewinn und Be-sitz der feindlichen Residenz, sich auch in den'Besitz der Mit-tel zu setzen wußte, den Frieden nach seinem Gefallen undfür seine Zwecke zu diktiren, so dürfen wir, dem Gange derBegebenheiten in den gegenwärtigen Feldzügen folgend, ebenso leicht erkennen, daß sich dies System in Beziehung aufdas Schlachten - Gewinnen weiter ausgebildet und bewährthatte, während in der andern Beziehung der Brand vonMoskau dem siegenden Feldherrn einen Rechnungsfehler kundgab, den er mit blutigen Niederlagen, endlich mit dem Thronebüßen mußte. Aber auch in dieser Art von Kriegführungwar der Krieg und das feindliche Heer die Schule für andereArmeeen, auch für das vaterländische, geworden, auch hierinhatte man bald das Nöthige erlernt und begriffen.
Um Rußland zu bekämpfen, war Napoleon 1812 mitseinen Verbündeten mit einem Heereszuge ausgezogen, wieihn die neuere Zeit nie sah und wie wir solchen nur ausder Geschichte der frühern Kriege der Perser, Hunnen undanderer asiatischen Völkerschaften kennen. Diesem wußte Ruß land auf angemessene Weise möglichst zu begegnen und botseine zahlreichen Völkerschaften auf, sich dem stehenden Heereanzureihen, um dadurch dem feindlichen Heere möglichst einegleiche Zahl von Streitern gegenüber zu stellen. Daß dasriesenhafte Unternehmen des französischen Kaisers trotz glän-zender Siege scheiterte, haben wir oben gesehen. Aufzuzäh-len, welche Ursachen alle dazu mitwirkten, zu erörtern, obund welchen Antheil die umsichtig getroffenen Maaßregelneiner Seits, so wie die begangenen Fehler anderer Seits,