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Johann Heinrich Gottlobs von Justi ... Anweisung zu einer guten deutschen Schreibart und allen in den Geschäfften und Rechtssachen vorfallenden schriftlichen Ausarbeitungen ...
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8 Betrachtungen über die deutsche Sprache

§> 5 »

Eine andre Ursache, warum unsre Sprache gegen Sü-den zu nicht sehr beliebt geworden ist, muß man in der außer-ordentlichen Hochachtung suchen, die wir der französischenSprache zugestanden haben. In der Voraussetzung desVorurtheils, daß alle Artigkeit bey diesem Volke anzutreffenwäre, haben wir ihre Sitten, ihre Moden und ihre Spracheangenommen; und indem wir uns eine Ehre daraus gemachthaben, auch in unserm Vaterlands eine Sprache zu reden, dievielleicht die einzige Frucht unsrer kostbaren Reisen war; soist eö in der That dahin gediehen, daß die französische Sprachefast eine allgemeine Sprache geworden ist. Wir gestattennicht nur, daß die Staatsangelegenheiten in unserm eignenLande in dieser Sprache abgehandelt werden, und daß die Ge-sandten ihre Anreden französisch halten: da es doch der ge-funden Vernunft gemäß ist, daß ein jeder Gesandter die Spra-che des Volks reden muß, zu welchem er abgesendet ist, wennein Volk von seiner Würdigkeit nichts vergeben will; sonderndie freyen Machte schließen so gar alle Arten von Tractaten indieser Sprach«; da es doch abermals die gesunde Vernunfterfordert, daß man die Sprache des Landes anwendet, inwelchem der Tractat geschloffen wird, oder die Zusammen-kunft der Gesandten geschiehet, wenn man nicht einem andernVolke einen allzu großen Schritt voraus laßen will. WaSaber vielleicht eine etwas übertriebene Hochachtung vor diefranzösische Sprache am meisten beweiset: und was unsreNachkommen dereinst kaum glauben werden, ist, daß einedeutsche Akademie unter dem Schutze eines deutschen Monar-chen ihre Abhandlungen und Anmerkungen in französischerSprache mittheilet. Da wir also nur allzu feyerlich zu erken-nen geben, daß wir aus unsrer Sprache selbst nichts machen;so wäre es wunderlich, wenn wir erwarten wollten, daß siebey unsern höchmüthigen Nachbarn beliebt werden sollte.

§. 6 .

Die Uneinigkeit, worinnen wir uns Deutschen selbst in An-sehung der Rechtschreibung und andrer Sprachregeln befinden,

ist