Z2 Erster Theil, Erstes Hauptstück,
fts in denen allgemeinen Regeln von der Vollkommenheitder Sprachen gegründet, nach welchen es allemal vorzüg-licher seyn muß, wenn man mit wenig Worten viel zu er-kennen geben kann. Unsre Sprache, die in denen zusammen-gesetzten Wörtern ungemein reich und glücklich ist, hat vielleichteinen größern Vorrath von solchen schönen Wörtern, als wirvermeynen. Vornehmlich treffen wir dergleichen in den zu-sammengesetzten Zeitwörtern gar häufig an. Z. E. Wennwir das Wort, beeifern, nicht hätten; so würden wir sagenmüssen: Ew. Excellenz geruhen von mir gnädig ver-sichert zu seyn, daß ich mich mit allem Eifer bemü-hen werde, Dero Befehle zu erfüllen. Diesen ganzenGedanken, daß man sich mit allem Eifer bemühen werde,drücket das Wort beeifern allein vollständig auö, und mankann also sagen: Ew. Excellenz geruhen von mir gnä-dig versichert zu seyn, daß ich Dero Befehle zu er-füllen mich sehr beeifern werde. Denn obgleich an demersten Ausdrucke nichts auszusetzen ist, so ist doch der andreviel kürzer und nachdrücklicher. OefterS hat man auch, zu-mal in Briefen, eine Abwechslung der Ausdrücke bey ähnli-chen Gedanken gar sehr nöthig. Um noch ein Beyspiel zugeben; so ist das Wort vereiteln von eben dieser Art: Dennstatt dessen, daß man sagen müßte: Ich habe feine Be-mühungen unwirksam und vergeblich geyiachr; sokann man mit eben der Vollständigkeit des Begriffs durchein einziges Wort sagen: Ich habe feine Bemühungenvereitelt. Und dergleichen schöne Worte giebt es in unsrerSprache gewiß nicht wenig.
§. 9 -
Zu der wesentlichen Schönheit der Worte gehöret auchder'Wohlklang derselben. Wenn es nicht überhaupt in derEinbildung beruhet, daß unsern Ohren ein angenehmer Tongefällt, oder daß es unsern Sprachwerkzeugen beschwerlichwird viele Mitlauter oder Selbstlaute;- unmittelbar hinter-einander auszustrecken; so kann man nickt daran zweifeln,daß in dem Wohlklange der Worte eine Schönheit bestehet.