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Leonard Meisters Characteristik deutscher Dichter : nach der Zeitordnung gereyhet / mit Bildnissen von Heinrich Pfenninger
Entstehung
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Unwillen und Eyfersucht sah der ernsthaftere Bod-mer den göttlichen Sänger des Meßias von jun-gem Lebensgenossen mit dem Reblaubc des Wein-gottes und den Blumenkränzen der Amorinen undHuldgöttinnen umwunden. Er dachte nicht, daßdie Zerstreuungen nothwendig wären, um bey Klop-stocken den Eindruck einer unglücklichen Liebe zu-schwächcn und ihn auf die starkem Eindrücke vor-zubereiten, die Meta im folgenden Jahre auf ihnzu machen bestimmt war.

Doch fein Schicksal nahm in diesem Sommerin Absicht auch auf feine äusserlichen Umstände eineneue , vortheilhafte Wendung. Da er von sichselbst kein Vermögen befaß, so war er schon imBegriffe, in dieselbe Laufbahn zu treten, in dieverschiedene andere feiner Freunde und Bekannten,Ebert, Gärtner, Zachariä, sich begeben hatten,eine Stelle am Carolinum anzunemmen, wozu ihmJerusalem am Braunschweiger Hofe behilflich seynwollte. Wie leicht hätte nicht bey solcher Laufbahnin ihm entweder der Dichter den Gelehrten, oderder Gelehrte den Dichter verschlungen ? dennKlopstock theilte sich nicht; immer war er ganz,was er war.

Eben zu rechter Zeit erweckte DeutschlandsGenius Bernstorfen, diesen grossen, Mitdenken-den Mann, der aus dem ersten Anfange von Klop-stocks Werk seine ganze, zukünftige Grösse voraus-