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Leonard Meisters Characteristik deutscher Dichter : nach der Zeitordnung gereyhet / mit Bildnissen von Heinrich Pfenninger
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nie Demosthenes gegen Aeschines, oder Cicero gegenPiso oder Antonius, als Leßing gegen einige seinerGegner schrieb. Und wie wenig Bitterkeit uNdRechthaberey herrscht nicht in seiner Kritik? Inder Beurtheilung Richards III. sind unpartheyischeStrenge und Achtung für Verdienst und Freund-schaft aufs genauste verbunden. Wenn er in demAufsaz über Leiblich von den ewigen Strafen, eineBehauptung des scharfsinnigen Eberhard bestreiket,so thut ers in dem ehrenvollsten Ausdruk. Mitedler Offenherzigkeit giebt, er sich in den antiquari-schen Briefen Unrecht gegen Heync, und er bekennt,gegen einen solchen Gegner mit Ehren Unrechthaben zukönnen. In keiner seiner Streitigkeiten ister aus der Tonleiter gewichen, die er dem Kunst-richter angab, schmeichelnd gegen den Anfänger; mit Bewunderung zweifelnd, mit Zweifel bewun- dernd gegen den Meister; abschrekend und positiv gegen den Stümper; höhnisch gegen den Praler, und so bitter als möglich gegen den Cabalenma-2, cher zuseyn. Danach muß man den Ton seinerantiquarischen Briefe und seines Anti. Göze beur-theilen. So beissend in den erstem sein Tadel, solachend seine Ironie, so treffend und bitter seinSpott war, hielt er sich doch immer innerhalb derGränzen der wahren Urbanität, ohne zu Cabalen,Verdrehungen, Folgerungen und ähnlichen Kunst,griffen Zuflucht zunemmen. Nur in dem Anti-Göze

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