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Versuch Einer Mathematischen Historie / Verfertiget von Johann Christoph Heilbronner ...
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Cap. l- Von der Beschaffenheit

Laß ein gelehrter Mann sich die Mühe nehmen möchte/und denen heut znTag üblichen Ctnwürffen mit gründ«sicher Beantwortung begegnen : Insonderheit dem je-nigen harten Vorwurff/ nach welchem behauptet wird/baß die Mathematie zum^rbeism« führe/ und also die-jenige/ welche sich derselben widmen gemeiniglich unterdie Zahl der Atheisten zu zehlen seyn. Es ist zwar schonin einer oder der andern Schriffk zufälliger Weise ge-schehen : Allein es würde doch wohl der Mühe werthseyn > wenn man solchen Verächtern der Mathematicumständlich zeigte/ wie die Mathematic nicht von son-dern vielmehr zur natürlichen Crkanntniß GOttes säh-rete und daß es unmöglich sey / daß einer der dieselbegründlich verstehet / ant solche unvernünfftige Gedan-ken gerathen könne: Wie solches der Grund-gelehrteGraf von Herberstein in einer zwar kurtzcn doch abergründlichen Schrifft/ welche er zu Alt Prag ,709. g.

unser dem Titul Mathemata adversus umbratiles PetriPoireti impetus propugnata heraußgegcben / wider sei-nen Gegner gründlich gezeiget hat. Es hat ihm nein-lich der bekannte Poiret hierzu Gelegenheit gegeben / alswelcher in sernemBuchde Eruditione solida & superfi.ciaria die Mathematic eine Wlffenschafft nennet / dieeinen Menschen mehr von GOtt als zu GOtt führe.Was nun zuletzt diejenige anbelangt/ die heut zu Tag/ich weiß fast nicht aus welchcrAbsicht/ den Nutzen derMathematic nicht nur verkleinern / sondern gantz undgar laugnen; Weil man schon soviel wüßte / als manzum gemeinen Leben nöthig hatte/ denn so konnte mannunmehr Häuser aufrichten / Mühlen bauen / u. s. w.und also brauchte man nicht noch mehrers nachzugrüb-len/und sich um unbekannte Wahrheiten viel zu bemühen/folgends sey die Mathematic nicht nöthig : Diese sageich/verdienen nicht daß man ihnen antworte/ weil die-ser Einwurff so ungereimt und abgeschmack ist / daß manihn von einem der einfältigsten Menschen nicht so unge-reimt sich einbilden könnte. Und scheinet es / daß sol-chen Gemüthern mit nichts mehrers gedienet wäre/ alswenn sie es nur so weit bringen könnten/ daß man garmchts mehr lernte und untersuchte. (-»