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Blicke in die römische Republik : oder Die freiwillig Verbannten und Lionello : Fortsetzung des "Juden von Verona" / Antonio Bresciani ; Nach der Civiltà cattolica deutsch bearbeitet
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straft ihn, indem er es zuläßt, daß das erste Blut, das er vergoß, dasseines größten Wohlthäters und Freundes war. Aber Du wirst sehen,Alisa, was so ein blutiges Verbrechen für eine grausame Macht hat;denn nach jener ersten Gräuelthat ward Lionello ohne allen Rückhaltzum Mörder von Profession."

Es ist ein Glück, daß solche Menschen doch selten sind," meinte dasMädchen.Aber in Lionello ist immer etwas, wie eine unsichtbareHand, die ihn von Abgrund zu Abgrund fortreißt."

Wissen Sie, was das für eine Hand ist?" versetzte Don Baldassare;es ist die Herzensverhärtung, die Verwilderung der Leidenschaften, derStachel der Sünde, der Engel des Zornes Gottes, der den Gottlosentreibt, wie der Psalmist sagt. Glauben Sie, Fräulein, dies sei der ein-zige adelige Jüngling, der entweder selbst gemeuchelt oder durch Andereso manchen Unschuldigen habe meucheln lassen. Um die Zeit, von derLionello erzählt, war in Faenza ein bekannter Graf, der in der Ver-sammlung der Carbonari im dortigen Theater seine Spießgesellen so hef-tig gegen den gelehrten und frommen Canonicus Montevecchi reizte, daßdie Häupter voll heftigen Ingrimmes plötzlich aufsprangen, und unterden Augen des grausamen Redners das Loos warfen, wer von ihnenden edlen Mann erdolchen sollte. Und ich weiß von anderen Grafenund Marquis, daß um die Zeit... Mimo, fahr' fort, daß ich mir nichtnoch manch anderen schönen rosenfarbigen Namen entfahren lasse."

Mimo begann auf's Neue: Lionello kam in Valparaiso an mitnoch so viel Geld in der Tasche, daß, wäre er mit einem Banquier oderSchisssherrn in Compagnie getreten, er es leicht hätte verdoppeln undauch wohl reich werden mögen; aber Du kannst Dir denken, Alisa, wasder Unglückliche vom Handel oder Bankgeschäften verstand. ES hieltensich in den Städten Chili's zu Valdivia, Concepzion, S. Jago und Val-paraiso damals viele italienische Flüchtlings auf, die sich an der Revo-lution von 1831 bethciligt hatten. Diese waren die Ersten, die sich umLionello drängten und die gierigen Zähne in den prächtigen Bissenschlugen. Lionello, der bei allen seinen Lastern doch wenigstens freigebigund mitleidig war, mochte solchem Anlaufe nicht widerstehen. Aber einverschmitzter und kecker Anconitaner wußte ihm so zuzureden, daß er ihmLust machte, ein Schiff für den Wallfischfang zu kaufen, um auf dieJagd der Wallfische in den nordischen Meeren auszugehen. Es schloffensich an ihn noch an: vier Genuesen, ein Corse, zwei Franzosen, die ausden Galeeren von Toulon entsprungen waren, ein Schotte, zwei Englän-der, Fischer von Profession, drei Pisaner, zwei Livornesen, ein wilder