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Blicke in die römische Republik : oder Die freiwillig Verbannten und Lionello : Fortsetzung des "Juden von Verona" / Antonio Bresciani ; Nach der Civiltà cattolica deutsch bearbeitet
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16. Joseph Garibaldi.

Alisa war unbeschreiblich begierig, von Mimo die Fortsetzung derDenkwürdigkeiten Lioncllos zu hören, aber es schien ihr doch wieder, alsob Mimo übermäßig abkürze und eine Menge Einzelnheiten, die sie gerngenauer gehört hätte, überginge. Wie daher des andern Tags die Ge-sellschaft wieder wohlgemnth unter der Linde saß, sagte Alisa etwas, waswie ein leiser Vorwurf für Mimo klang. Mimo betheuerte aber hoch undtheuer, er hätte nur geringfügige Begebenheiten Übergängen, wenn ihnanders sein Gedächtniß nicht im Stiche gelassen.So muß ich schon mitBeweisen herausrücken," entgegnete lächelnd Las Mädchen.Hast Dumir nicht selbst einmal bei Tisch gesagt, daß Lionello sogar einmal sichselbst habe entleiben wollen. Ich habe aber noch kein Wörtchen darüberaus Deinem Munde weiter gehört."

Nun, diesmal hast Du Recht, erwiederte Mimo; Du sollst aber auchgleich hören, wie ich meinen Fehler gut zu machen weiß. Den Versuchmachte Lionello nach einem haarsträubenden Vorfall, der ihm währendseines Seeräuberhandwcrks zustieß. Er hatte einst auf offener See einHandelsschiff angegriffen, bei dem er einen viel muthigeren Widerstandfand, als sonst der Fall war. Einen halben Tag lang ward mit äußersterErbitterung gefochten und Lionello verlor eine gute Anzahl seiner Leute,die unter den Säbelhieben und Lanzenstichen des tapfern Chiliers, demdas Schiff gehörte, fielen. Endlich gelang es Lionello, seinem Gegner miteinem Spieße, den er aufgerafft hatte, dergestalt zu Leibe zu gehen, daßer ihn damit förmlich an den Stamm des Hauptmastes nagelte, woraufdie übrige Mannschaft sich ergab. Der Capitän war von Valparaiso,und handelte mit französischem Tuch nach den Häfen von Lima, Cnencaund Guayguill, er halte seine Gattin Jsabella und ein Knäblein bei sich,zu denen er so heiße Liebe trug, daß er sich durchaus nicht von ihnen zutrennen vermocht hatte. Seine Gattin war bezaubernd schön und zugleichso sittsam und tugendhaft, daß, wer ihr nur nahe kam, sie bewundernund verehren mußte.

Nachdem das Schiff genommen war, ließ Lionello die junge Frauin seinen Schooner bringen, und ihr das Cabinet am Vordertheil alsGemach anweisen. Obwohl fast übermannt von dem Schmerze über denVerlust des Gatten und die Schmach der Knechtschaft zeigte hier die hoch-herzige Frau anstatt weibischen Gewinsels und feiger Verzweiflung eineWürde und Größe, die ihr mehr die Achtung und Ehrfurcht als dasMitleid der Sieger gewinnen mußte. Als daher Lionello unter das

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