Gläubigen hat gesprochen;" so wurden sie auch alsbald beim Volksclubbdenuncirt. Gegen Abend war es dann sicher, daß sich eine Rotte Gesindelvor dem Palaste des Bischofs sammelte, schreiend, lärmend, lästernd:„Nieder mit dem Verräther! Tod dem Freunde des Bombcnkönigs,Fluch dem Feinde Italiens, dem Bundesgenossen der Kroaten!" Flohder Bischof in der Nacht nicht anderswohin, so ward am andern Morgender Palast erstürmt, geplündert und Hand an seine geheiligte Person ge-legt. Gelang es ihm, in der Stadt irgend ein sicheres Versteck zu finden,so spürten die Schurken so lange nach ihm, bis er auch von da weichenmußte. Der Bischof Scerra wurde von seinen Verfolgern so rastlosbedrängt, daß er sich in einer Waldhöhle längere Zeit aufhalten mußte:nachdem er auch diesen Aufenthalt zu verlassen gezwungen worden, kehrteer abermals heimlich in die Stadt zurück, ward aber neuerdings entdecktund verjagt, floh von Dorf zu Dorf, ohne Unterlaß gehetzt wie ein wildesThier, bis er endlich in Orte erreicht wurde, und nur dadurch entkam,daß er sich in eine uralte römische unterirdische Wasserleitung versteckteund über dreißig Stunden darin verborgen blieb.
Auch der Vicegerente von Rom, Monsignore Canali, ein bejahrter,kranker, am Rande des Grabes stehender Prälat, mußte nach unzähligenVerfolgungen und Beängstigungen zuletzt zu dem Mittel greifen, sich alsTürke zu verkleiden, und unter das Asyl des Großsultans — in den Schat-ten der Fahne und des Halbmondes Mahomets, die auf dem Kloster derarmenischen Mönche aufgevflanzt waren, und von jenen Banditen mehrrespectirt wurden, als das Kreuz, seine Zuflucht zu nehmen.
„Wie?" rief Alisa aus. „Was sagst Du uns da für Narrheiten?Mohamets Fahne und der Halbmond in Rom! Es wäre gerade als wennman das Kreuz auf dem Serail oder auf den Mauern von Cairo auf-stecken wollte. Du träumst."
Beruhige Dich, süßes Bäschsn, entgegnete Mimo. Nicht ich, son-dern Lionello selbst bemerkt dies in seinen Aufzeichnungen. Uebrigenswerden diese von da an immer spärlicher und abgerissener. Man siehtdeutlich, daß der Zorn Gottes dem Unglücklichen auf dem Fuße folgt;die Gewissensbisse verzehren ihn und die Verzweiflung brennt ihm in derSeele. Daß er in den Marken sich an der gottlosen Verfolgung gegen soviele unschuldige und ausgezeichnete Bischöfe betheiligt hatte, machte ihnrasend, dennoch scheint es, daß die allergrößte Qual sür ihn in dem Ge-danken lag, daß er zu dem verruchten Sacrilegium mitgewirkt habe, dasan der geheiligten Person des Cardinals de Angelis, Erzbischofs vonFermo, begangen wurde. Derselbe wurde nämlich in der Nacht auf den