Buch 
Blicke in die römische Republik : oder Die freiwillig Verbannten und Lionello : Fortsetzung des "Juden von Verona" / Antonio Bresciani ; Nach der Civiltà cattolica deutsch bearbeitet
Entstehung
JPEG-Download
 

287

den Willen und die Thätigkeit des Menschen in bestimmte Gren-zen einengen;

beschließt das Triumvirat:

1) die Gesellschaft anerkennt keine ewigen Gelübde;

S) es liegt in der Gewalt eines jeden Individuums, sich vonjenen Regeln zu entbinden, zu deren Beobachtung es sich durchGelübde verbindlich gemacht hatte;

3) der Staat beschützt gegen jede Opposition oder Gewaltthätig-keit alle Personen, die von dem gegenwärtigen Decret Gebrauchmachen wollen;

4) der Staat wird mit Dankbarkeit in die Reihen seiner Milizenjene Ordensleute aufnehmen, die mit den Waffen das Vaterlandvertheidigen wollen. 27. April 1819.

Armellini, Mazzini, Saffi."

Nachdem die Fürstin mit lauter Stimme das große Decret gele-sen hatte, schwieg sie eine Weile, als erwarte sie eine Antwort. DieNonnen sahen Anfangs zur Erde, nach einiger Zeit begannen die lebhaf-teren ein bischen verstohlens um sich zu sehen, zu blinzeln und sich bedeu-tungsvolle Blicke zuzuwerfen, die eine oder die andere kicherte leise, oderzuckte die Achseln; die älteren murmelten Sloßgebetlein, die furchtsamerenund ängstlichen lispelten Avemarias. Endlich brach die Mutter Secre-tärin, ein Mädchen hohen Standes, und eben so großen Muthes undfeiner Bildung, das stillschweigen und sagte im Namen der anderen:

Fürstin, wir nehmen die beiden erstenErwägungen"" an, undWollen Ihnen und der Republik die zwei andern mit den vier Decretenzurückgeben."

Was sagen Sie, Mädchen?" erwiederte die Fürstin.Die Ge-schenke der Republik muß man annehmen und nicht zurückweisen."

Die Republik kann nicht geben, was sie nicht hat und was ihr nichtgehört," sagte die Secretärin.Sie sagt, daß das Ordensgelübdeeine moralische Beziehung zwischen dem Gewissen und Gottbilde. Das ist wahr und darum nehmen wir es an. Sie fügt hinzu,daß die bürgerliche Gesellschaft als solche mit ihren äußer-lichen und materiellen Mitteln in der Sphäre der geistigenPflichten nicht vermitteln kann. Auch das ist wahr. Aber esfolgt auch überdies noch daraus, daß, was dann weiter im Decret gesagtwird, dem gesunden Menschenverstand zuwider ist."

Haben Sie mehr Ehrerbietung, ehrwürdige Frau!"

Ich bin logisch, Frau Fürstin! und nicht unehrerbietig. Sagen Sie