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Blicke in die römische Republik : oder Die freiwillig Verbannten und Lionello : Fortsetzung des "Juden von Verona" / Antonio Bresciani ; Nach der Civiltà cattolica deutsch bearbeitet
Entstehung
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wollten die Glocken zur Vertheidigung des Vaterlandes in Kanonen um-gießen, und darum erklärt, daß die Glocken der Basiliken, Pfarr- undNationalkirchen, sowie die von besonderem Kunstwerthe und die für dieöffentlichen Uhren dienenden, verschont bleiben sollten. Sie hielten aberihr Wort keineswegs, denn anstatt in die Gießerei, wanderten die Glockennächtlicher Weile in's Judenviertel. Die Basilika Santa Maria Mag-giore hat eine Glocke von besonderer Größe, die Papst Gregor vor nichtvielen Jahren hatte gießen lassen' die aber nach dem ersten Läuten, viel-leicht durch einen boshaften Streich des Gießers, gesprungen war. DieRepublikaner, die daraus ein gutes Stück Geld zu lösen hofften, wolltensie trotz ihres eigenen Decrets herunternehmen; weil aber wegen der Höhedes Thurmes das Gerüste nur mit großen Kosten angebracht werdenkonnte, so wollten sie dieselbe oben in Stücke schlagen. Schmiede undLastträger hämmerten abwechselnd und rastlos daran herum, aber dieGlocke, die nach den ersten Schlägen des Schwengels gesprungen war,ließ jetzt klopfen und schlagen, ohne zu bersten oder auch nur den ge-ringsten Schaden zu nehmen, gerade als wäre sie von Diamant. DieSchurken handthiertcn mehrere Tage lang daran herum. Bei den un-unterbrochen darauf geführten Schlägen gab sie einen so wehmüthigenTon von sich, daß es Einem vorkam, als weinte oder seufzte und be-jammerte sie selbst den gräulichen Gottesraub. Und wirklich gelang esihnen nicht, sie zu zerschlagen, was uns allen wie ein Wunder schien,das die Gottesmutter jenen Gottlosen gegenüber gewirkt hat. *>

Mehrere Tage hindurch hörte man in Rom unablässig das dumpfeGetön von dem Hämmern auf die Glocken, die man nicht anders alsstückweise wegnehmen konnte. Ciceruacchio mit seinen Mannen eilte vonKirche zu Kirche unter dem Geschrei:Herunter mit den verfluchtenGlocke», die uns so lange die Ohren betäubt haben!" Und weil in denNonnenklöstern die Thürme häufig ihren Eingang von dem Innern derClausur aus hatten, so begann jener Dämon, wenn die Nonnen gegeneine solche Unbild rcclamirten, die Thore einzuschlagen und mit Gewalteinzubrechen. Die armen Frauen weinten, flohen in ihre Zellen oder inden Chor, und jeder Schlag auf die Glocken drang ihnen in's Herz, undwenn sie dieselben bersten hörten, so erhoben sie ein unsägliches und rüh-rendes Jammern, während jene Kerle schwitzend und keuchend fluchtenund zum Ueberfluß noch in's Refectorium einbrachen, wo sie Bezahlung

*s Als dieselbe Glocke im Jahre 1852 auf Befehl des Papstes Plus IX.umgegossen werden sollte, ließ sie sich mit leichter Mühe in Stücke schlagen.