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Blicke in die römische Republik : oder Die freiwillig Verbannten und Lionello : Fortsetzung des "Juden von Verona" / Antonio Bresciani ; Nach der Civiltà cattolica deutsch bearbeitet
Entstehung
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Ei freilich," erwiederte Alisa,sie hat mich sogar sehr lieb, denn stewar ja die beste Freundin der Tante Adele, und besuchte mich oft mit ihrim Kloster."

Nun sie hat ein Kammermädchen, deren einzige Freude ein sechszehn-jährigcr Bruder war, dem Sterbini eine Flinte gegeben hatte. EinesTages kommt nun zu ihm ein kindischer Schandbube und sagt ihm:HastDu Lust, so gehen wir hinauf und erschießen ein halbes Dutzend Fran-zosen?"Einverstanden," sagte der andere. So laufen die Beiden,als ginge es auf Schnepfen, nach den Barrikaden. Der Bruder desKammermädchens hebt seinen Kopf über die Brüstung, und hatte ihnnoch nicht ganz darüber hinaus, so traf ihn eine Kugel in die Stirneund streckte ihn todt zu Boden; ich selbst habe noch an demselben Abenddie Schwester in Thränen aufgelöst gesehen. Ihr kennet auch Menicucciound wisset, wie reich, wie geschäftstüchtig er ist, und mit welcher Zärtlich-keit er seine beiden Söhne liebt. Der Mann ist ein Republikaner vomreinsten Wasser, und ich hörte ihn eines Abends im Gespräche sagen:Ehe ich mich wieder unter den Papst beuge, wollte ich lieber, daß meineeigenen Söhne ihren letzten Tropfen Blut's vergössen." Der Unglückliche!hätte er's nie gesagt. Sein Erstgeborener ging mit anderen Kameradenauf die Barrikaden, und ward von einer französischen Kugel auf denTod getroffen. Menicuccio ist vor Herzeleid fast wahnsinnig geworden.

Ergötzlich war's in Nom auch zu hören, daß die Republikaner trotzihres häufigen und tollen Feuerns nie einen Franzosen tödteten, währenddie seltenen Schüsse der Franzosen immer trafen; die Sachs war einfach,weil die Republikaner außer Schußweite waren und ihre Kugeln nicht soweit reichten, während die Feinde mit ihren gezogenen Karabinern aufdie doppelte Distanz noch trafen und ihre Kugeln voll und gerade ein-schlugen. Weil nun das Visir ihrer Flinten, die auf so weite Entfernunggehen sollten, aus zwei Stahlpiättchen bestand, die durch eine Feder andem Flintenlaufe aufsprangen, so sagten einige Naseweise, die von denden Höhepunkten mit ihren Fernrohren Beobachtungen anstellten:Ichweiß schon, weßhalb die Franzosen immer treffen! Wisset ihr, was? Sieschießen mit der Lorgnette auf der Büchse" Die Verständigen lachtenüber solchen Unsinn, aber Cernuschi, wie er sah, daß seine Schützen ihrPulver unnütz verschossen, setzte das Ding durch eine Art Tagbefehlwieder zurecht, indem er an den Straßenecken bekannt machte:Wirempfehlen ernstlich den Schützen jeder Gattung, die Feinde, auf die siezielen, nahe kommen zu lassen. Das ist ein sicheres Mittel, um denRückzug zu hindern, und unsere Schüsse in Credit zu bringen."