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Die Tageszeiten : ein Gedicht in vier Büchern / von Friedrich Wilhelm Zachariä
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Der Morgen.

Welch eine heilige Freude floß über die Seele der Schöne,

Der, in Entzückung verlohren, die prächtigste Scene sich aufthat!Neben ihr lag in süßem Schlummer der theure Geliebte,

Dessen blühende Anmuth der Morgen von neuem ihr ausschloß.Zärtlich weckte sie ihn mit einem himmlischen Kusse,

Und sprach voller Entzücken diese beflügelten Worte :

O, mein Geliebter, erwache zum allerprächkigsten Schauspiel,Das itzt deine Seltne zum erstenmale betrachtet!

Himmel! wie welken die Scenen dahin, die alle TheaterUns zu geben vermögen? und wie verschießen die FarbenAller prächtigen Freuden vor diesem himmlischen Pompe!

Und schon achtzehn Jahre ward mir dies Schauspiel gehalten,

Eh ich nur einmal es sich? " (hier floß auf blühende WangenEine Perle herab.) " Auch diese Scene, Geliebter,

», (Fuhr sie heitrer fort,) hab ich nur dir zu verdankenSie umarmten sich hier voll unaussprechlicher Liebe;

Und der holde Morgen verschüttete Kränze von RosenUeber dies edle Paar, die glücklichste Liebe zu krönen.

Zwar nicht immer erscheinet der Morgen mit lachendem Antlitz,Wie er im blumichten Frühling, oder im güldenen SommerMit den Rosenfüssen über die Felder gewandelt.

Wenn der leztere Herbst die gelbgewordenen Wälder

Mit lautbrausenden Stürmen entblättert; und Wolken von Laube

Aus den heulenden Forsten über die Wiesen herausjagt;

C

Dann