Der Morgen.
Ihr auch, ihr deutschen Schönen, entziehet den Sorgen am NachttischEinige Stunden voin Putz, und widmet sie lehrenden Schriften.'
In die glückliche Bildung, die die Natur euch gegeben,
Bringt auch Empfindung und Leben, und wahres edles Gefühle !
Aber verachtet den Autor, der mit der schlüpfrigen Feder,
Eure Gemüther verderbt, und Ausschweifungen euch lehret.
Grabt die Gesänge der himmlischen Tugend, die Lieder des Weisen,Welcher, wie Noung, Unsterblichkeit singt, in zärtliche Herzen,
Laßt den schaalen Roman die listige Liebe nur prcdgen;
Eure gefällige Seele sey viel zu edel zum Laster.
Aber sollte der Geist Geschmack in dem Büchersaal finden,
Oder der zärtliche Witz sich seiner Stärke bewußt seyn;
O so schreckt nicht sogleich mit dem niedern pedantischen StolzeEure Gespielinnen ab, die schon von Erziehung verdorben,
Wissenschaften noch mehr in dem prahlenden Hochmuthe Haffen.
Die gelehrteste Schöne wird doch sich niemals erniedern,
Wenn sie mit ihrem Geschlecht aus Folianten nicht redet,
Sondern Natur und Zärtlichkeit spricht, und munter am RahmenNicht mit Belesenheit pranget, und unter Hauben nicht Mann ist.
Folget auch ja nicht zu leicht, von Beyspiel und Schmeichlern verleitet,Einer verwegnen Dichterinn unter die Schaar der Scrkbenten,
Oder gar in das Feld der Kritik, und gelehrter Kämpfer.
Auch die Satyrische Geißel trifft oft mit schmerzenden SchlägenEiner Schöne verächtliche Reime, so sehr auch ihr BildnißVor der elenden Schrift vom Leser Nachsicht erbittet.
Aber
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