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Die Tageszeiten : ein Gedicht in vier Büchern / von Friedrich Wilhelm Zachariä
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Der Mittag. 4^

Sind wohl dl'e'Silten so fein am wilden Tische des Junkers?

Er M tölpischer, als sein Knecht, bey stolzen Couverien,

Unter plumpen schmarotzenden Gästen als Witzling bewundert.

Ungewürzeter Wein rauscht in entweihte Pokale;

Lautes dummes Gelächter geht um die jauchzende Tafel;

Jegliches Wort von ihm gießt Blut in das Antlitz der Dame.

Wie beklagenswerth ist nicht bey ihm das sittsame Fräulein,

Welches in steter Marter , mit niedergeschlagenen Augen,

In dem Weine Schamröthe trinket, und Grobheit verschlucket!

Seufzend wünscht sie sich oft zum sparsamen Tische der Unschuld,

Wo ihr ehmals ihr Brod kein elender Landwitz vergällte.

Aber ihr raubte das Schicksal zu früh die edelsten Eltern,

Und verstieß sie zur Knechtschaft des Reichthums. Die zärtlichste RoseBlüht hier unter dem Unkraut; doch bald wird sie der HimmelEinem Günstlinge schenken, und mit ihr sein Leben vergülden.

Aber nicht immer umflattern die niedern zweydeutigen ScherzeMit dem falschen Geschmacke die Tafel des glücklichen Landmanns.Wie beglückt ist Aminc auf seinem einsamen Gute!

Ohne Mäcen in erkauften Überschriften zu heißen,

Ist er ein wahrer Mäcen von allen schöpfrischen Geistern.

Jtzo tritt er am hohen Mittage mit seiner GesellschaftAus den geselligen Lauben, und dunklen schattkgten Gängen.Wohlanständigkeit geht vor ihm her; und feinere Sitten,

Als die Sitten der großen Welt, gewinnen ihm Herzen,

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Mit