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ßer, und doch lange noch nicht nach seinerwahren Gestalt schildern.
Es ist ein alter Vorwurf, welchen manden Gelehrten, sonderlich denen machet,welche mit tiefsinnigen Wissenschaften um-gehen, daß sie zum gemeinen Umgängenichts taugen, daß sie zu den übrigenWelkgeschäften unbequem sind. Sie sindblos für ihre Studierstuben gut, und indenselben verlernen sie gefällig, umgänglichzu seyn. Oftmals ist ihre Begegnungunfreundlich, ihr Gesicht zerstreut, ihreMiene störrisch, ihre Antwort trocken, ihrBetragen eigensinnig, ihr Umgang traurigund finster. Tiefsinnig und dabey ange-nehm, ein guter Gelehrter und gesellig, eingeschickter Mathematikverstandiger und eingeschickter Weltmann seyn, das ist eine Sel-tenheit, die man, ausser unserem Herrn He-rvelke nicht leicht an jemand wahrgenom-men hak. Er war; und hierinn finde ichseine rechte Grösse; bey aller seiner Arbeit,in seinem obrigkeitlichen Amte so unverdros-sen, so aufmerksam, so gesprächig, so weise,so gerecht, daß man hatte glauben sollen,dieses wäre seine einzige Beschäftigung: Mitseinen Freunden so leutselig, so bescheiden,so gefällig, daß man mit Vergnügen umihn war: In seinem Hause so liebreich,
so