Band 
[Erste Abtheilung.]
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I7<A xxm. Brief. Von des Königs in Sardinien

empfinden auch die andern Gesandten auswärtiger Potentaten nicht viel weniger, ob sie gleichvon solchen Herren abgeschickt sind, welche mit dem Hause Savoyen stets in gutem Verneh-men gestanden sind. Ich verstehe hierunter Holland und England, welches letztere in derPerson des Herrn Allene einen solchen Minister hier hat, welcher wegen seiner Höflichkeitund guten Tafel unfehlbar eines häufigen Zuspruchs versichert seyn könnte, wenn die Furcht,dem Hofe zu misfallen, nicht manchen davon abhielte. Die Republik Venedig hat in An-sehung des Umgangs ihres Adels mit auswärtigen Gesandten sehr harte Gesetze. Diese sindhier in Turin nicht: hingegen ist der Gehorsam und die Verehrung gegen den König so groß,daß man auch ohne ausdrückliche Gesetze dasjenige unterläßt, was ihm nur im geringsten mis-Des Königs fallen könnte. Die unumschränkte Gewalt ist noch in keinem Lande auf einen so hohen Gi-absolutc Gc- ^f^ gestiegen, als hier, und die persönlichen Eigenschaften des Königs haben derselben einensolchen Nachdruck gegeben, als in andern Ländern viele tausend Mann regulirter Truppenkaum thun würden. Die Lage seiner Länder zwischen zween mächtigen Nachbarn, Frankreichund dem Hause Oesterreich, hat Gelegenheit gegeben, daß sowohl dieser König als seine Vor-fahren mit besondern Staatskünsten ihre Macht und Ansehen vermehret haben. Es hal-ten zwar einige dafür, man müsse solche Aufführung nicht zu genau nach den Regeln derSittenlehre und Gerechtigkeit beleuchten, wmn man nicht viele Flecken und Makeln darin-nen finden wollte; allein es fehlet auch nicht an Leuten, welche dergleichen Schwierigkeiten,so einem zarten Gewissen aufsteigen möchten, mit Betrachtung der Umstände und der Noth,worinnen sich das Haus Savoyen oftmals befunden hat, zu heben sich getrauen, und diesenüberlasse ich die Entscheidung, wie oft man von einer Partey zur andern treten, und ob manwohl gar in einem Tage an zwo feindliche Armeen, als Haupt, die Parole austheilen kün-Eon dcs Kö- „xn. Aus gleicher Unwissenheit der Umstände ist es schwer zu beurtheilen, ob der Geiz obenlämkeck "" unter des Königs Gemüthsneigungen stehe oder nicht. Er sprach vor weniger Zeit lan-ge mit einem gemeinen Soldaten, der auf der Schildwache stund, und hörte von ihm, wievielen Schlachten und Belagerungen er bcygewohnet, was für Mühe oder Gefahr er aus-gestanden, und wie oft er verwundet.worden. Nachdem alles zu Ende, sagte der Königbon jonr, und gieng weg; der Soldat antwortete auch bon jour, und kehrte sich nicht wei-ter an den König. Dieser, nachdem er etliche Schritte fortgegangen, wandte sich wieder um,und sagte: Hlibien! vous ns me cisinKuciss rien? Der Soldat antwortete kaltsinnig: llthue voui äemanclerai - je? ä vou8 gui ne cioiines j^inai8 rien. Damit gieng der Königlächlend hinweg und schickte dem Soldaten zehn Louis d'or. Des folgenden Tages, als derKönig mit Fleiße vor dieser Schildwache wieder vorbey gieng, sagte sie weiter nichts als :Fe rsmercie votrs kckajsste äs ja 6racs, gn'Ulls nr'a finte, uiais anjonrcklnü js ne äc-inancie rien.

Dieß ist gewiß, daß der Hofstaat mit großer Sparsamkeit eingerichtet ist ä). In derStadt ist keine Marschalltafel, und auf dem Lande, wie z. E. a ia Vsncrie, wird sie mit denSchüsseln, welche auf des Königs Tafel gewesen, versehen. Der König speiset mit demPrinzen von Piemont und dessen Gemahlinn jederzeit allein, man höret nichts von kostbarenLustbarkeiten, alle Ausgaben sind so eingerichtet, daß der König auf einer Tabelle die jährli-chen Kosten seines Staats übersehen kann: und so oft dabey eine Veränderung oder außer-ordentliche Ausgabe sich eräuget, muß bey der Rechnung die Ursache des Unterschiedes in

einem

ö) Auch seine auswärtigen Minister empfinden lauter geschickte Leute dazu nimmt, welche ihmdie Wirkung dieser Sparsamkeit, ob er gleich wohl dienen und Ehre machen. Noch vor we-nigen