von der Stadt Mayland. 26z
beerbäumen (die nach seinem Tode der Stadt zufallen werden) auf beyden Seiten besetzenlassen. Diese Alleen gehen gerade zu, und sind so breit, daß drey bis vier Wagen nebeneinander fahren können. Das Auge ergötzet sich auf der einen Seite mit der Aussicht in dasfreye Feld, und auf der andern an denen Küchen-und Weingärten, so zwischen dem Walleund den Häusern der Stadt liegen. Der schönste Theil dieses Walles ist hinter der Kirchevon 8. Xlaria äells kaistoue.
Was die Handlung und Manufakturen der Stadt anlanget, so bestehen solche vor- Handlungnehmlich in Seidenwaaren, Stahlarbeir und Bergkrystall, welcher in den benachbarten Al- "»d Manu-pen oftmals mit vieler Lebensgefahr gefunden, und in Mayland zu Leuchtern, Tobacksdofen, m"uren.Spiegeln und andern dergleichen kostbarem Geräthe geschliffen und gefastet wird. Dieäußerste Größe, welche man bisher in Spiegeln aus einem Stücke Krystall erreichen können,ist von einem Fuß in der Breite und anderthalb Fuß in der Höhe. In Mayland werdenauch, gleichwie in Bologna und Verona, vielerley Bluhmen von Wachs, Papier, Hausbla-sen, Federn und Baumwolle gemacht, die der Natur aufs vollkommenste nachahmen. Ab-sonderlich wissen die Nonnen mit solcher Arbeit wohl umzugehen. Mannspersonen bedie-nen sich niemals solcher Zierrathen, ausgenommen bey Masten und in der Karnavalszeit,man sieht sie auch nicht viel an Frauenzimmern: hingegen werden sie desto häufiger zuSchmückung der Altäre und Zierde der Zimmer gebrauchet, auch viele in auswärtige Län-der versandt.
Als eine besondere Sache habe bemerket, daß in der ganzen Stadt nur an einem Orteund einem einzigen Kaufmanne erlaubt ist, Schießpulver zu verkaufen.
Die Doügncu und Zölle können nirgends schlechter bestellet seyn, als sie es im May- Zölle,ländischen sind. Alles kommt auf geringe Trankgelder an, welche von den Zöllnern unge-scheuet gefodert werden, ohne die fremden Reisenden mit fernerer und genauerer Nachfragezu belästigen: hingegen wird im Piemontestschen alles desto genauer untersuchet.
Unter den geistlichen Gebäuden der Stadt Mayland steht die der heil. Maria und St. Domkirche.Thekla gewidmete Domkirche billig oben an. Ihre Lange ist von zweihundert und vierzigdr-iccii Elaueli, deren jeder ungefähr zween Fuß ausmachet. Eine Menge marmorneSeulen, deren viele so dick sind, daß drey Männer Mühe haben eine zu umfassen, tragendas Gewölbe der Kirche, so in drey Gänge oder Galerien getheilet ist. Oben zwischen denSeulen sind große Gemälde aufgestellet, welche den Lebenslauf des heil. Caroli Borromäiabbilden, und unter andern, wie er sein Fürstenthum Dona verkaufet, und in einem Tageden Annen achtzig tausend Thaler austheilet. Hiebey finden sich sehr viele silberne Gelübde, Silbernedie etliche tausend Unzen schwer sind, und die Figuren von Köpfen, Herzen, Füßen, Händen, Gelübde.Ohren und andern Gliedern des menschlichen Leibes vorstellen, woran die Patienten Nothgelitten, durch Fürbitte aber des heil. Borromäi Hülfe und Gesundheit erlanget hatten.
Bey allen Goldschmieden sind dergleichen Gelübde von verschiedener Größe fertig und vorden Laden ausgestellet, damit die Liebhaber ohne fernern Anstand, der ihren Eifer etwan er-kalten lassen möchte, damit bedienet werden können. Dergleichen Denk-und Dankmaalesind nicht erst unter den Christen aufgekommen, sondern eines viel ältern Ursprunges, wie Ihr Ur-davon die Historie der Philister im ersten Buche Samueliö Cap. 5, v. 6 einen deutlichen sprang ausBeweis giebt. Von den silbernen Abbildungen der Ohren, welche der Minerva, als einer Heiden-Schußgörcinn des Hauptes geopfert worden, kann eine Jnscription beym Lnvrnko pag. *pumc.^U.XIX, n i. nachgesehen werden. Daß dergleichen Gelübde dem Aeskulap als dem Vor-steher der Arzeney und Gesundheit bezahlet worden, ist noch welliger zu bewundern, und
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