von Pisa. V7
wenn sie jemals sich eräuget hat, so hatte sie außer Zweifel ihren Ursprung dem vielen undstarken Kalke, womit das Erdreich vermischet worden, zu danken; man könnte auch dieseWunderkraft leicht erneuern, wenn nicht überfiüßiger Platz für die Gräber dieser von Ein-wohnern fast entblößten Stadt vorhanden wären. Die Pisaner erzählen, daß die Eigen-schaft des Bodens, die todten Körper innerhalb vier und zwanzig Stunden zu verzehren,sich sonderlich zu einer Pestzeit verlohren, da die vielen dahin gebrachten Leichen das Land garzu fett gemacht hätten. Die Galerien um diesen Platz haben den Giovanni Pisano zumBaumeister, und sind im Jahre 1289 vollendet worden. Ihre Seiten oder Wände sindmit Kalke überzogen, und darauf verschiedene biblische Historien von guten und berühmtenMeistern gemalet, worunter insonderheit die Geschichte Hiobs in acht Stücken vom Giottonicht vorbeyzugehen ist. Benotius Florentinus, der auch allhier begraben ist, hat den Le-benslauf des Altvaters Joseph in vielen Gemälden vorgestellet, und Bufalmaco oder An-drea d'Orgagna, der im Jahre 1589 verstorben, das jüngste Gericht in einem sehr großenStücke, in dessen Mitte der König Salomo gebücket, und als einer, der kein gutes Gewissenhat, erscheint. Zur Linken des Heilandes zeiget sich die Hölle und zur Rechten der Haufeder Auserwählten, welcher meistentheils aus Mönchen und Nonnen besteht. Indessen be-merket man doch dabey, daß ein Engel sich die Freyheit nimmt, einen Mönch bey den Haa-ren aus dieser Gesellschaft zu ziehen. Die Erfindung des Stückes soll aus dem Dantegenommen seyn. Unter den übrigen Gemälden sind die besten vom obgedachten BenozzoGozzoli, welcher in den Vorstellungen der alten Geschichte die Portraite der berühmtestenMänner seiner Zeit gemalet hat. Man findet ferner in einer dieser Galerien siebenzig bisachtzig große marmorne Särge, so noch aus dem Alterthume kommen und guten Theilsmit trefflichen b-rs-reliek gezieret sind. Es sind auch vielen vornehmen und gelehrten Leu-ten, die in dem Lämxo 8amo begraben liegen, rings herum in den Galerien Denkmaale auf-gerichtet worden, worunter sich die Epitaphia Johannis Francisci Vegii, Matthia Curtii,des im Jahre i6z2 verstorbenen Juristen Pamphilii Columbini Leonardi, Paganini Gau-dentii, Julian: Viviani Antonii (k 1693), und des hiesigen Erzbischofs Caroli AntoniiPutei, der das auf der xia-ra clei (lävgtien oder 8.8teLuio angelegte Collegium für sechsStudenten und einen Aufseher gestiftet hat, befinden. Der bekannte Rechtsgelehrte Phi-lipp Deciuö hat sich sein Grabmonument noch bey seinen Lebzeiten geseßet; und machetes seinen Erben nicht viele Ehre, wenn das Epitaphium mit folgenden Worten schließt:M>I. OeLnis - - lioc lepulcbrum libi ksbricari curavit, ne polterin iuiz creücret. DemJuristen Boncampagno, der im Jahre 1574 das zeitliche mit dem ewigen verwechselt, hatsein Verwandter, der Pabst Gregorius der dreyzehnte, ein prächtiges und mit schönen Sta-tuen geziertes Monument in eben diesen Galerien aufrichten lassen.
An einem andern Orte sieht man auf einem ba8-re1,'ef die wiewohl schlecht geratheneVorstellung eines Drachen, der auf einem Wagen von Ochsen gezogen wird, und von Jo-hann oder Nino Oelandi durch sonderbare List in einem eisernen Kefige gefangen worden.Der Verlauf der Sache ist in folgender beygefügter Nachricht enthalten:
IMlIL
sende etwas davon vernehmen, unten auf dem xleo- zurückgebracht. Die Gesetze der BewegungFußboden aus die beyden toco« elllpleos gestellet sowohl bey Lichtstralen und dem Schalle, alswerden, dergestalt, daß sie ihr Gesicht nach einer auch bey andern festen Körpern bleiben auchgewissen Wand richten, und einander den Rücken hier unveränderlich, und der anZulus incicienti«zukehren: so werden die ausgesprochenen Worte ist dem an^ulo reticrioni- vollkommen gleich,reflectiret, und jedesmal nach einem loco clli-
Uu
Gemälde.
SonderbareVorstellungdes jüngstenGerichts.
Alte Sarge
Epitaphia
Philippi
Dem.
Geschichtemit einemDrachen.