Band 
[Erste Abtheilung.]
Seite
372
JPEG-Download
 

dsrrlilorc.

Garten.

Fontaine.

Statuen.

Menagerie.

Thierhaus.

Grabschristdes PferdesHadrians.

372 xi.ii. Brief. Nachrichten

Auö dem Pallaste Pitti kann der Großherzog durch einen bedeckten Gang nach denCuriositätengalerien und dem ka1-iL2o Vecclnu kommen, auch in dem letzten durch verbor-gene Fenster hören und sehen, was in verschiedenen Gerichten vorgeht, ohne daß ihn jemandbemerket. Besagter Gang ist sechshundert Schritte lang, sechs breit und acht hoch. Anseinen Wanden sind die Thaten des Kaisers Karls des fünften, Philipps des zweyten Kö-nigs in Spanien, Heinrichs des vierten Königs in Frankreich, und des Großhcrzogs Ferdi-nands des zweyten, in großen Gemälden vorgestellet. Uebrigens ist es schade, daß dieserLorriclore nicht in gerader Linie fortläuft, sondern viele Beugungen und Winkel macht.

Die Fremden, so in dem Garten des PallastesPitti herum gehen wollen, werden durcheinen Schweizer begleitet, dem es nur um ein Trankgeld zu thun ist. Dieser Garten wirdil (liaickmo äi öoboli genennt, und hat drey italienische Meilen im Umfange. Von seinerHöhe ist die Aussicht vortrefflich, sonderlich nach dem großherzoglichen Lustschlosse koAZioImpMüle. Das schönste ist die große Fontaine, so der bacciats des Pallastes nach der Sei-te des Hofes gerade gegenüber angeleget worden, und in ihrer Mitte über einer Schale vonägyptischem Granit, welche zwölf Ellen oder sechs und dreyßig Fuß im Umfange hat, mit derStatue Neptuns gezieret ist. Diese ist von Marmor in mehr als Menschengröße, und hatunter sich drey andere sitzende Statuen, die den Ganges, Nil und Euphrat abbilden, undeine Menge Wasser in die Schale ausschütten. ItztgedachteS schönes Werk kömmt vonder Erfindung und Hand des berühmten Giovanni Bologna, der aus Douay gebürtig war.In verschiedenen Grotten und an etlichen andern Springbrunnen des Gartens findet mannoch ferner vier Statuen von Mich.AngeloBuonarota, welche zu demGrabmaale des Pab-stes Julius des zweyten bestimmt waren, von dem Vetter des Buonarota aber an den Groß-herzog Franciscus verehret worden;, eine liegende Cleopatra, von: Bandinelli; Paris, derHelenen entführet; Herkules in Riesengröße, vom Vincenzo di Roßi; Adam und Eva ausMarmor, davon diese ihr Haupt auf ihre zwo Hände, so auf des Adams Schultern ruhen,neiget, indessen daß Adam mit betrübten und melancholischen Gedanken vor sich zur Erdesieht rc. Die Grotten werden nicht wohl unterhalten, und verfallen an vielen Orten; dieAlecn und mit Laubwerke bedeckten Gänge aber sind unvergleichlich und aus Lorber- und an-dern solchen Bäumen zusammengesetzt, welche des Sommers und Winters grünen. Die Espa-liers sind mit Orangen - Citronen - Granat - und Jasminbaumen bekleidet. An vielen Ortensind verdeckte Vexirwasser angelegt, welche der Gesellschaft Gelegenheit zu lachen geben.

Au der einen Seite des Gartens findet sich die herzogliche Menagerie, worinnen etli-che Strause, Löffelgänse, chinesische Gänse, Fasanen, Papagoyen,Pharaonshühner, und Hir-sche von Corsica (so viel kleiner als andere sind) unterhalten werden. Eine Art von auslän-dischen Kranichen, Kurki genannt, ist also abgerichtet,-daß sie hüpfen und gleichsam tanzen,wenn man ihnen vorsingt. Die Löwen, Tiger, Panther, wilde Ochsen, Luchse, Baren unddergleichen Thiere werden in einem andern Theile der Stadt, nicht weit vom St. Marcus-platze, in einem Gebäude, dem man den Namen vom LerraZIi» eie'I_.ioni gegeben hat, ver-wahret. Jedes Thier hat bey seinem Gehäuse einen langen offenen Hof, worinnen es her-um

o) Der Kaiser Hadrian hat gleichfalls seinPferd Borystheiies mit einer Grabschrist beeh-ret, welche noch vorhanden und von s ^ i. m ioin folgenden Zeilen herausgegeben ist:

LLlsreus Vei-eäus,Ner seguvr LLt tumulos I leti'iiicosVolzre lvlehgt.ksnnomos nec ullu?