ihrem Oberhaupte dem Pabste, rc. 445
päbstllcheri Wahlen die Zeitrechnungen besser in Acht nehmen, die falschen Päbste nicht ein-mischen, und die Wahrheit besser beobachten sollen. Denn die meisten Wapen, so er denFamilien, woraus die Päbste genommen worden, zuschreibt, sind falsch, wie solches sonderlichan Nikolas dem dritten, Urban dem dritten und Alexander dem dritten zu sehen, deren derletzte angedeutet wird durch Kola compostit-a, der mittlere durch 8us in cribro, und der erstedurch ex an lere cuüocle. Die Rechnung geht von Cölestinus dem zweyten an bis ans Endeder Welt: man gebe mir aber eine jede andere Zeitrechnung oder eine Regierung der Päbste,welche man will, von welcher die erste Prophezeiung anheben soll; so getraue nur mit leich-ter Mühe die dunklen Kennzeichen der Päbste in derselben wirklich erfolgten Ordnung so deut-lich und schön zu zeigen, als man bisher' von Cölestinus an gethan. Ja es sollte nicht schwerfallen, die Erfüllung der itztgedachten Prophezeiung auch in der Historie und Folge der Do-gen von Venedig und Genua zu finden.
Ehe die Kardinäle ins Conclave gehen, hat man alle Freyheit im Vatican herum zu Eintheilunggehen; es geschieht aber solches nicht ohne Unbequemlichkeit wegen der Menge von Leuten des Con-und wegen des vielen Tragens der Baumaterialien, wozu noch kömmt, daß in den ersten clavis.dreyen Tagen die Erben des Pabsies und alle diejenigen, so im Vatican bey ihm gewöhnethaben, die Freyheit haben, dasjenige, so ihnen zusteht, heraus zu holen, womit sie, 5 vie leichtzu erachten, nicht säumig find.
Man kann sich kaum einbilden, wie com^enäieux jeder Kardinal nach seinem Kopfeund Einfall den kleinen Platz, der ihm zu seiner Zelle im Conclave durchs Loos zufallt, ein-zurichten und abzutheilen weis. Dieser Raum ist meistentheils nur achtzehn bis zwanzigFuß lang und etwan eben so breit. Daraus wird ein Eßzimmer, eine Schlafkammer undPlätze für den Kammerdiener und Conclavisten zubereitet. Etliche machen zwey niedrigeStockwerke aus ihrem Platze, in welchen eine enge Treppe ihnen dienen muß. Die Zellenhaben keine andern Wände, als wollenes Zeug, so davor ausgespannt wird, und wie die8alaOucalis oder ein anderes großes Zimmer in viele Zellen vertheilet wird, so kann man in allendiesen Zellen vernehmen, was in einer andern dieses Zimmers laut gesprochen wird.
Hieraus ist nun leicht zu erachten, mit was für einer Unverschämtheit der Autor desBuchs, Ka 6nerre ck on öckemoire» än Lomte D - - eäit. äe Lolvgns 1707, p. 6i, st.erzählet, wie sich die jungen Kardinale im Conclave mit ihren Maikressen erlustigen, kleineConcerte geben, wobey sie selbst als junge Bursche singen, und endlich unter einer Musik ih-rer Bedienten mit ihren Curtisanen tapfer herum springen und tanzen. Der itztgedachteVerfasser will seinen Lesern weiß machen, er habe solchen Ergötzungen selbst beygewohnet;allein diese Erzählung ist so wenig wahr, als sehr viele andere Umstände und Pralereyen, wo-mit er sein Buch angefüllet hat.
Ich habe schon erwähnet, daß in keines Kardinals Willen stehe, sich seine Zelle zubauen, wo er will, sondern daß das Loos jedem seinen Platz anweise. Wenn man auch gleichversichert ist, daß einige Kardinale nicht nach Rom komme» werden, so bleiben ihnen jedochihre Zellen frey und unbesetzt.
Die Creaturen des letztverstorbenenPabstes haben dieBehängs und das Geräthe ihrerZellen von dunkel-violetter Farbe, die andern aber grün. Jene gehen auch in währendem Con-elave violet gekleidet.
Die Kapelle Sixtus des vierten wird zum Scrutinio und der künftigen Adoration zu-recht gemacht, auch mit einem eisernen Ofen versehen, um dämmen die gefammleten LuEca-Zls oder Vota zu verbrennen.
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