Sonderbare
Sculen-
Erde ausdem GrabeChristi.
Bretter vonder Bundes-lade.
! Tisch vom
letztenAbend-
mahleChristi.
Stab Mofls.
Ruthe Aa-rons.
Observationwegen St.Thöma Tag«nd Kapelle.
498 XLix. Brief. Relation vor: den geistlichen Gebäuden/
Auf dem Altare ciel 88. 8aZramento steht ein Tabernakel, so aus vielen kostbarenSteinen zusammen gesetzet ist von der künstlichen Hand des Pompeji Targoni, der den be-rühmten Damm vorRochelle angegeben, und also auf gar verschiedene Arten seines NamensGedächtniß gestiftet hat. Vor diesem Altare stehen vier canelirte Seulen von vergütetemMetalle, und vier andere von korinthischer Ordnung aus grünem und weißem Marmor sindauf dem Altare zu finden. Was die ersten betrifft, so geben etliche vor, Titus Vespasianushabe sie aus dem Tempel zu Jerusalem genommen und nach Rom gebracht; andere wollen,Augustus habe sie gießen lasten aus denen metallenen Rüstungen, womit die Vorderthcileder Schiffe seiner überwundenen Feinde Cleopaträ und Marci Amonii versehen gewesen;andere glauben, Sylla habe sie aus dem asiatischen Tempel des )ovis Ol^mpici geholet; an-dere endlich behaupten, Domitianus habe sie gießen und ins Capitolium sehen lasten. Essteht jedem frey zu glauben, was er will. Anitzt sollen sie mit heiliger Erde aus dem Gra-be Christi, welche Helena, die Mutter Konstantins des großen von Jerusalem gesandt hat,ge-füllet seyn.
In der Kapelle St. Thomä verwahret man zwey Bretter von der Bundeölade, welcheso alt und verlegen sind, daß man nicht mehr erkennen kann, von was für Holze sie gewesen.Wie sie hieher gekommen seyn, weis auch niemand zu sagen. Wenigstens waren sie nichtim andern Tempel, es ist auch nichts davon auf Titi Vespasiani Triumphbogen zu sehen.Ferner zeigt man hier die Tafel von wohlriechendem Holze/worauf Christus sein letztesNachtmahl gehalten. Ehemals war sie mit Silberblech beschlagen, wie die hie und da nochübrig gebliebenen Stifte andeuten, in den vielfältigen Zerstörungen der Stadt aber ist dasSilber abgeschlagen worden und nur ein wenig davon geblieben, an dem Platze, bey welchemChristus gesessen, als woselbst es durch ein Wunderwerk sich nicht hat wollen abreißen lassen.Diese Tafel ist so klein, daß kaum zwo Personen an einer Seite sitzen können; man giebt abervor, sie sey von einander gcsaget worden, damit sie bester ms Gesicht falle, und liege sie dop-pelt über einander. Ich gestehe, daß ich diese angegebene Ursache nicht begreife. Denn dadie Tafel ohnedem nicht groß war, so konnte man sie ja besser übersehen, wenn sie ganz ge-blieben wäre, und nicht die eine Hälfte die andere bedeckte, wie ißt geschieht. Platz hätteman überall für sie gefunden, und hätte sie eben nicht nöthig gehabt, an dem Orte, wo sienun ist, aufgehoben zu werden r). Der Stab Mosis, so hier gleichfalls zum Vorscheinekömmt, ist eines Fingers dick und aus achteckigten schmalen Ringen von Eisen und Knochenoder Elfenbein wechselsweisc zusammen gesetzek. Der Stab Aarons, so gegrünct hat, istdicker und am obern Ende mit einer Krümme, dergleichen wir heut zu Tage an den Bischofs-stäben bemerken, versehen. Ein Stück von der Ruthe Aarons wird auch in St. Bitt Kircheauf dem Schlosse zu Prag gezeiget, und der ganze Stab Mosis in der 8r>üne (Apolle zuParis. Alle diese schönen Sachen sind in der gemeldten Kapelle der lateranischen Kirchefür drey Paoli zu sehen, und am grünen Donnerstage, wie auch an St. Thomastage wer-den sie öffentlich ausgestellt. Ich weis nicht, warum man diesen letzten Tag und die Ka-pelle von St. Thoma bey dieser Gelegenheit vor andern gewählet, indem doch dieser Heiligein dem übelsten Gerüchte wegen seines Unglaubens ist, und man auch mit einer starken Dosevon Leichtgläubigkeit dennoch wohl in die Wahrheit der angeführten Reliquien einigen Zwei-fel setzen kann.
Nächst
r) Vor der Reformation zeigte man auch in letzte Abendmahl gehalten, wie aus dem im Jah-der Hauptkirche zu Halle in Sachsen sieben Stü- re i;ro in Quart gedruckten Verzeichnisse solchercke von dem Tische, worauf der Heiland das Heiligthümer zu ersehen ist.