^xn. Brief. Beschreibuikg
aus diesem Verrathe entlehnet, aber niemals wiedergegeben haben. Vermuthlich hat siegeglaubet, es anderwärts und durch ihr Opfer schon mehr als zu viel bezahlet zu haben.
^ Wenn alle diejenige porzellanene Geschirre, denen des Raphael Namen hier und da ei-
vomRavbael großen Werth giebt, von diesem Meister gemalet wären, müßte er fast nichts anderslr'nd? ^ als solche Arbeit unter Händen gehabt haben; allein vielleicht ist kein einziges Stück vonihm, wo er nicht etwan in seiner Jugend sich zum Zeitvertreibe mit etlichen wenigen ausge-halten hat. Die Gelegenheit zu solchem falschen Gerüchte hat vermuthlich Batcista Franco,eingeschickter venetianischer Maler gegeben, welcher nach Berichte, bey denen
Zeichnungen, die er für solche Porzellangeschirre verfertigte, sich der Kupferstiche, so von desRaphael und anderer berühmten Meister Arbeit heraus waren,bedienet«. Einige k)esteinrsolcher Werke mögen auch wohl vom Raphael seyn, weil der Baron Tallis in Venedig einSchreiben von diesem großen Künstler besitzt, worinnen er der Herzoginn von Urbino Nach-richt giebt, daß er mit denen Vellein8, welche diese Prinzeßinn für die zu machende Porzellaneihres Schenktisches verlanget hatte, fertig sey «). Allein hieraus folget keineöwegeö, daßer selbst dergleichen Gefäße gemalet habe.
Arsenal. Das Arsenal ist in einem der obern Stockwerke, und von keiner Wichtigkeit. Vieles
Gewehr ist bey andern Gelübden der Pilgrime hieher geschenket worden; und darunter auchein kurzes Pistol, welches ein Herzog von Urbino selbst verfertiget haben soll. Ein anderesvon einem Fremden vor zwey Jahren verehrtes Pistol ist kaum eines Fingers lang, und vonartiger Arbeit. Die Kugel, so es schießt, ist nicht größer als ein kleines Pfefferkorn. Manzeiget auch zwey kleine Gestricke, die vor zweyhundert Jahren den Türken, als sie eine Lan-dung wider Loreto gewaget, abgenommen seyn sollen; imgleichen eine große noch geladeneBombe, von welcher man vorgiebt, daß sie in einer Wachsfackel, so die Türken als ein Ge-lübde übersandt, verborgen gewesen. Die Absicht der Türken sey hiebcy dahin gegangen,wenn das Licht bis auf die Bombe abgebrannt seyn würde, alsdann die ganze Ealä 8amadurch deren Gewalt in die Luft zu sprengen; welches aber durch eine wunderthätige Vorse-hung der h. Mariä entdecket und verhütet worden. Ein ^schrank ist mit verbothenem Ge-wehre, welches man hieher geschenket hat, angefüllet.
Von der Rüstkammer geht man vollends hinauf zu denen drey Glocken, welche vonPäbsten angeschafft worden sind. Die größeste davon, Loreto genannt, wiegt zwanzigtau-send Pfund, und ist ein Geschenk Leo des zehnten. Man ist gewohnt, um den Klang der-selben den Fremden recht vernehmen zu machen, sie in ihrer Gegenwart stark anzuschlagen.
Die hiesige Geistlichkeit gesteht, daß die Lalä 8snw von liegenden Gründen und an-dern sichern Vermögen jährlich sieben und zwanzig bis dreyßigtausend Scudi Einkünfte ha-be, worunter die Geschenke und Gelübde, welche sich in Ansehung so vieler tausend Men-schen, die hieher kommen, nothwendig auf sehr hohe Summen belaufen müssen, nicht begrif-fen sind. Unterdessen, damit andächtige Seelen keine Gelegenheit haben möchten ihre eifrigeFreygebigkeit erkalten zu lassen, bemühen sie sich, sowohl mündlich als in gedruckten Schrif-ten, den Fremden weis zu machen, daß ihre nothwendigen Ausgaben die jährlichen beständi-gen Einkünfte um zehntausend Scudi überschreiten, und daher der Beytrag frommer Chri-sten ganz unentbehrlich sey. Nach ihrem Vorgeben werden jährlich in der Kirche und San-ta LaL vierzehntausend Pfund Wachs verbrennt, welche dreytausend zweyhundert und zwan-zig Scudi kosten, so man dahin gestellet seyn läßt, sowohl als die Ausgabe von vierhundert
und
n) Lsnk. v. ^/»reuro Ollervsrwni toxra il k-ibro llella Pelllns kittriee, ktom.
170z, 8. *
Fabel voneiner vcrra-thenschenWachs-fackel.
Glocken.
Einkünfteund Ausga-ben des h.Hauses.