Band 
[Zweyte Abtheilung.]
Seite
1108
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no8

Brief. Voll der Regierimgsform rc.

Nachrichtvom MalerTintoretto.

Gemälde inder Kapelle.

Fehler aneinem Ge-mälde Ti-riani.

Anmerkungvon diesemMaler.

In derLsIsllel OranLonlisHo.

Fabel vonFriedrich desersten Demü-thigung vordem Pabste.

Was für Ge-setze dieNürn-berger vonVenedig be-kommen ?

wie ma« den Herrn Christum zu malen pflegt, abbildet. Ich weis zwar wohl, daß die al-ten Heyden dergleichen Illmbor ihren Götzenbildern zu geben pflegten; allein in den neuernZeiten scheint es etwas ungewöhnliches, mit solchem Glänze jemand anders als Christumoder Heilige zu zieren. Der eigentliche Namen des Tintoretto war Giacomo Robusthmannennte ihn aber insgemein Tintoretto, weil sein Vater ein Färber oderlimore gewesen.Seine Tochter MarietkaTintoretta malte in Portraiten sehr gut, und verheirathete sich, nach/ 7 o»-. 1e aonri: Berichte, an einen reichen Deutschen.

Ueber der Thüre, wodurch man nach der Kapelle ciel kreZacli geht, hat Tintoretto dentodten Leichnam Christi gemalet; in der Kirche selbst ist des Titiano Gemälde von der Un-terredung des Herrn Christi mit den.zween Jüngern in Emaus zu sehen. An der Kunstdesselben ist zwar nichts auszusetzen; allein ich zweifele, ob ein vernünftiger Mensch die Pil-grimskleidung und den Rosenkranz des einen Jüngers, den Federbusch des Hausknechtes,den doppelten Adler in den Tapeten des Zimmers, die Kelchgläser und die großen Brodteauf dem Tische, wie auch den Kampf eines Hundes gegen eine Katze unter der Tafel bey die-ser Gelegenheit gut heißen werde.

Uedrigens ist von dem berühmten Maler Titiano Veccelli Hiebey noch zu merken, daßer aus einer adelichen obwohl armen Familie gewesen, und zu Cadorum (lat. Girckibrium)am Flusse Piave gebühren sey. Er starb im Jahre 1576 zu Venedig an der Pest im sechsund neunzigsten Jahre seines Alters. Ein Zeichen eines sehr neidischen Gemüthes hat erdarinnen von sich gegeben, daß er seinen Bruder Franciscus von der Malerkunst abgezogenund einen Tischler werden lassen; bloß weil er gemerket, daß dieser junge Mensch, wenn erbey der Malercy bliebe, es ihm selbst, wo nicht zuvor, jedennoch wenigstens gleich thun würde.Aus gleichen Absichten wollte er den Tintoretto, welcher anfänglich seiner Lehre untergebenwar, nicht bey sich behalten.

In der 83s, llel 6wn Lonsigllo, welche drey und siebenzigFuß breit und hundert undfünfzig lang ist, haben die besten Künstler, nämlich Paolo Calliari, Leonardo Bassani, Fran-cesco Bassano, Dom. Tintoretto, Andrea Vicentino, Paolo Flamingo, Pa!ma,Federico Zuc-caro, Girolamo Gambarato, Giulio dal Moro rc. in verschiedenen Stücken dasjenige, waszwischen dem Pabste Alexander dem dritten und der Republik vorgegangen seyn sott, gema-let. Unter andern ist die fabelhafte Demüthigung des kncstrici RarbarostZc vor dem Pabsteund wie dieser dem Kaiser bey solcher Gelegenheit den Fuß auf die Achsel setzet, zu sehen.Diese Vorstellung gleicht in allem derjenigen, welche man im vaticanischen Pallaste zu Romwahrnimmt, ausgenommen daß die römische viel größer ist. Es sind in abgedachtem Saalenoch mehrere Heldenthaten der Venecianer auf die Schau gestellet und mit Unterschriften er-läutert. Eines dieser Stücke stellt etliche Gesandten in der Kleidung italienischer Ooökoruinchiris vor, so bey dem Doge Gehör haben, welches man insgemein dahin deutet, als hättenzu Anfange des sechzehnten Jahrhunderts die Nürnberger von den Venetianern ihre Gesetzeverlanget und erhalten, um darnach die Regierung der Stadt Nürnberg einzurichten. Indiesem Irrthume ist der Kardinal nsrinv» lglü. Venen lib. VII, p. i;;, welchemchir. ?ubl. Üb. VII, c. z;, n. 8, und etliche andere deutsche Scribenten ohne die geringste Ur-sache folgen, indem die Kleidung der Gesandten nichts mit der nürnbergischen Tracht gemeinhat, und solche eben sowohl von einer kleinen, der venetianischen Republik unterworfenenStadt, können abgeordnet gewesen seyn, wie solcher Meynung auch Losonlnvz in

dem Buche rioclie Xliuere clella kittura VeneLirnui beypflichtet. Es hat zwar im Jahre

r;o6 der Rath der Stadt Nürnberg die Venetianer um die Communicakisn ihrer Gesetze,

so