Band 
[Zweyte Abtheilung.]
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1296
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Kirche St-Petri undPauli.

Seule,dieder Teufelaus Romhergebracht

St. Longi-nus steiner-nes Schiff-

1,96 L-XXXV. Brief. Reise von Wien nach Prag,

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In dem abgelegenen Theile der Stadt, wo sonst das Schloß Wischerad gestanden,sieht man auf der halben Höhe eines Felsen eine alte Mauer mit drey Fenstern, als den Ue-berrest eines Bades der Libussa, aus welchem sie nach genossener Lust ihre Liebhaber in dieMulda soll haben herabstürzen lassen.

In der Kirche St. Petri und Pauli auf dem Wischerad liegt eine hier in drey Stückegebrochene marmorne Seule, welche der Teufel aus Unwillen so plump abgeladen, daß sie zer-brochen. Die Ursache seines Zorns war, daß er ein wenig zu spat mit seiner Ladung ange-kommen, als ein Priester dieser Kirche sich ihm mit dieser Bedingung ergeben hatte, daß derTeufel währender Zeit, da der Pfaff eine Messe lesen würde, eine Seule aus der Kirche von8. üvlaria in Tralievers zu Rom hieher bringen sollte. Diese Fabel ist etliche mal in hiesigerKirche abgemalt, und wird von dem meisten Theile der Einwohner so fest geglaubet, daß esvergeblich wäre, sich in einen Streit mit ihnen einzulassen, zumal da nicht geleugnet werdenkann, daß in abgedachter römischen Kirche auf der einen Seite ein Pfeiler weniger als aufder andern zu finden sey. Indessen versichere ich, daß zwischen den Seulen der beyden Kir-chen ein großer Unterschied sich eräuge. Die einzelne Seule auf dem Wischerad ist kaumdie Hälfte so dick, von weißerer Farbe und etwas höher, als die Seulen der Kirche 8. XL-u-iscin Drastevere sind. Es ist aber dieses nicht das einzige lächerliche Wahrzeichen, womit dieWischerader-Kirche pranget, sondern man sieht auch unter dem Altare des h. Longinus (derdie Seite des gekreuzigten Heilandes eröffnet haben soll) einen großen steinernen Sarg, wor-auf als in einem Kahne gemeldter Heilige die Mulda herunter geschwommen ä). Wer die-ses

L) Andere erzählen, daß des Longinus Leib im solchem Orte sich ein Licht beständig sehen laL>Jahre 1409 von Rom nach Prag gebracht, von sen und viele Schiffer Schaden gelitten, bis maH-'den Hußiten aber im Jahre 142,0 bey des Wi- den Sarg entdeckt und wieder an fei,reu altenscherads Zerstörung nebst dem steinernen Sar- Ort gebracht habe. Dieses heiligen Longinusge in die Mulda geworfen worden, da denn an Körper wird auch in der Kirche St. Andrea zu

Man-