lzyo xem. Brief. Nachrichten
Aon derDornenkro-ne Christi.
Religion inNürnberg.
St- Se-baldskirche.
Stadtbiblio-
thek.
Dornen aus der Marterkrone unsers Heilandes, deren ich übrigens viele hundert zusammenzu bringen gedächte, wenn ich erwäge, wie vielerley derselben zu Cölln, Bremen, Utrecht,Gent, Antwerpen, Hannover, Bamberg, Löwen, Walkenried, Wittenberg, Prag, Wien, Romund in sehr vielen andern Orten gezeiget werden. In der Hauptkirche zu Halle in Sachsenwaren nach dem im Jahre 1520 herauögekommenen Verzeichnisse ihrer Heiligthümer, zwan-zig solcher Dornen, in Stade zeigete man sonst einen großen Theil dieser Krone. In derAbtey zu St. Denys hatten sie lange Jahre die ganze Dornenkrone Christi, welche vieleWunder wirkte, bis Ludwig der neunte aus Orient eine andere mitbrachte, welche die rechteseyn sollte und in einer großen Proceßion zu Paris eingeholet wurde. Die Benedictinervon St. Denys mußten selbst bey diesem Gepränge seyn, und von solcher Zeit an schweigensie ganz still von ihrer Krone c). Gewißlich, man sollte mehr als ein Storchsnest aus sol-chen prätendirten heiligen Dornen, wenn sie alle auf einen Haufen gebracht würden, bauenkönnen.
In dem Deutschen Hause haben die Römischkatholischen ihren öffentlichen Gottesdienst,welcher durch einen Pfarrer und zween Kaplane, die allezeit Ordenspriester sind, verrichtetwird; übrigens aber ist die ganze Stadt Nürnberg der evangelischen Religion zugethan, ei-nen einzigen Bürger ausgenommen, welcher zugesagt hatte, nach erhaltenem Bürgerrechtevon der römischen Kirche zu der lutherischen überzutreten, nach erreichtem Endzwecke abersein Versprechen nicht gehalten hat. Seine Kinder sind evangelisch, und daher läßt manihn ungestört seilt Leben beschließen. Die sogenannte neue Kirche ist die schönste in derStadt, fast oval gebauet, in Ansehung ihrer Länge aber nicht hoch genug. Die St. Se-baldskirche ist lang und dabey finster. Man bewundert in derselben das metallene Grab-maal des heil. Sebalds, (der ein königlicher Prinz aus Dännemark gewesen seyn soll) unddie daran befindliche nach des Albrecht Dürer Zeichnung gegossene Arbeit. Die an derWand der Kirche hängende große Tafel, auf welcher die Erschaffung der Welt von eben die-sen: Meister genialer ist, wird auf zwanzigtausend Thaler geschähet. Bey dem Altare desApostels Petri wird noch eine sogenannte ewige Lampe brennend unterhalten, weil eine ein-trägliche Stiftung aus den alten Zeiten dabey vermachet ist. Ueberhaupt hat die Anneh-mung des Interim zu Nürnberg verursachet, daß in dem äußerlichen Gottesdienste, was dieChorröcke, lateinische Gesänge, timipbonas, Chorstunden, Leuchter und dergleichen Dingeanlanget, viele päbstliche Gewohnheiten zurückgeblieben sind (*).
In dem Predigerkloster findet man die treffliche Stadtbibliothek, so beynahe aus stchs-zehntausend Voluminibus, worunter cm^nvn, cmonovn, Li^nsic;i.i und anderer Gelehrtenkostbare Werke sind, besteht. Den Grund dazu hat der Büchervorrath der fünf Mönch-und zweyer Frauenklöster, welche bey der Reformation zu Nürnberg eingezogen worden, gelegt,und behält man noch zu aller Fürsorge den Catalogus der Bücher eines jeden der gedachtenKloster. Das Gebäude selbst, worinnen sie steht, war vorzeiten ein Dominicanerkloster.Bilibald Pirkamer, ein gelehrter nürnbergischer Rathsherr, hat zum Aufnehmen dieses Scha-tzes der Gelehrsamkeit vieles beygetragen, und sind ihm Hieronymuö Baumgärtner und an-dere in diesem löblichen Unternehmen nachgefolget. Der Prediger und Bib/iothecarius
Götze beypflichten in lUis ll« culn, Ln»« svir dieser zierliche Dichter, muß sehr viel auf die(Ikrilti in MsntÄin inveKo, kiys. 1702, y. 9: ln- Anna gehalten haben:
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