I42Ü XL1V. Brief. Nachrichten
man vermuthlich auch in verschiedenen Edelgesteinen, die ihre Farbe dem Schwefel zu dan-ken haben, beobachten würde, wenn man die Probe damit machen wollte.
Agricola. Der regenspurgische Stadtphysicus und voökor öckeciiciliL Georg Andreas Agri-
cola, ist durch seinen Versuch der Universalvermehrung der Bäume, wovon im Jahrs 1716Dessen zween Theile in Folio herausgekommen sind, sowohl in Deutschland, als auswärts bekanntBaumkünste genug, es wäre aber vielleicht besser gewesen, wenn er damit zurückgeblieben wäre, oder we-nigstens noch etliche Jahre auf Proben und Erfahrung gewendet hätte, ehe er mit seinen gros-sen Versprechungen zum Vorscheine gekommen. So viel ich ihn habe kennen lernen, ist seinGemüth ehrlich und vo'n allem Betrüge entfernet; er hat mir auch weitläuftig erzählet, wie^ er fast wider Willen zur Bekanntmachung seines Geheimnisses veranlasset worden, und die-
ses sonderlich durch den Grafen von Wratislau, welcher allzueilig mit seinen Attestaten und, Nachrichten an auswärtige Orte gewesen. Unverständige Leute und theils auch Feinde desAgricola haben hernach die Sache noch größer gemacht und vorgegeben, es mache sich D.Agricola anheischig, auf jedem Platze Wälder von großen Bäumen hervorzubringen, oderaus einem kleinen Zweige alsbald in einer Stube einen Baum zu machen. Er selbst gabden Namen eines Baumes einem jeden Zweige, der eine lebendige Wurzel hatte, welche erihm mit einer besonders zubereiteten Harzmumie also anzusetzen wußte, daß durch gute War-tung mit der Zeit ein Baum daraus erwachsen und solchemnach die Vervielfältigung derBäume befördert werden konnte. An die Verkürzung der Zeit, welche nach dem ordentli-chen Laufe der Natur zu dergleichen Wachöthume gehöret, war von ihm noch nicht gedacht;es ist aber indessen doch nicht zu leugnen, daß die allzuprächtigen Beschreibungen, welche ervor der Entdeckung seines Geheimnisses in die Welr ausstreuen ließ, zu obgedachtem Irrthumeleicht Anlaß geben konnten. Er hat zwar von verschiedenen Orten einen Zuschuß an Geldezur Herausgebung sekneö Geheimnisses erhalten; allein der Verlag seines kostbaren und mitvielen theils unnöthigen Kupferstichen gezierten Werkes, hat viele Unkosten erfodert, und dadie anfänglichen Liebhaber ihre Hand abgezogen, so liegen ihm die meisten Exemplare, als einunvollkommenes Buch, dem noch der dritte Theil mangelt, auf dem Halse. Er ist durchgedachte Beschafftigungen lange Zeit aus seiner kmxi gekommen, und endlich haben sein-Feinde Gelegenheit genommen, ihn zu beschuldigen, es sey seine Absicht sowohl mit dieser, alsseinen andern Erfindungen nur dahin gegangen, andere Leute ums Geld zu bringen; weilihn dann N. sogar gerichtlich gezwungen, sowohl das empfangene Geld als andere Unkostenwieder zu erstatten, als des Herrn D. Agricola /Ukalleli einen unzerriebenen Diamanten nichtauflösen wollen. In dem obgedachten gedruckten Werke sind viele zum Baum - und Gar-tenwesen sehr nützliche Sachen enthalten, daher man in Holland für rathsam gehalten, einenAuszug davon herauszugeben; der Herr Doctor selbst aber ist fast gänzlich von diesen Din-gen abwendig gemacht worden, nachdem seine Feinde nicht aufhören wollen, durch Pasquille,Drohungen und muthwillige nächtliche Verderbung seines Gartens ihm allen Verdruß an-zuthun.
Unglückliche Es hat ihn im Jahre 171z ein anderes Unglück betroffen, wodurch er sehr zurück geseßett-sts. worden. Als Stadtphysicus mußte er die im Lazarethe an der Pest krank darnieder liegendePersonen besuchen und ihnen Arzneyen verschreiben, wobey es dann geschah, daß ein gottlo-ser Junge von vierzehn bis fünfzehn Jahren, dem alle Hoffnung der Auskunft abgesprochenwar, aus verzweifelter Rachgierde, sich hinter den Herrn Doctor, der vor einem Tische saßund Recepte schrieb, stellete, und ihn mit seinem Odem anhauchte. Dieser wußte anfänglichnicht, was für einer Ursache er den süßlichen unangenehmen Geruch, den er empfand, zuschrei-ben