Band 
Fünfter Band.
Seite
528
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I?i7

Lange.

Sie werdendaselbst auf,gehalten.

Audienz beymKaiser.

Was ihm fürEhrenbezei-gung erwie-sen wird.

528 Reisen nach dem Reiche China.

Leute, mit soviel Neugierigkeit, daß einige sie bey den Parucken, andere bey den Hütenzupften, und ihre Kleidung bis selbst auf die Haut untersuchten. So wurden sie fortge-drängt, und von den Chinesen beschauet, bis Rilian Stumpf und Dominicus pa,rennin, die beyden vornehmsten Jesuiten zu pe kin zu ihnen kamen, und sie in des Kai-sers Namen, um eins und das andere, wegen ihrer Reise und des Krieges mit Schwe-den befragten. '

Der englische ArztGarwin, Langen» Begleiter, ward besonders wegen seiner Arze-neyen befragt. Weil der Dollmetscher dem Kaiser ihre Antworten berichtete, ward ihneneine silberne Schale voll Thee vorgesetzt, der mit Milch und geröstetem Mehle gekocht war;man sagte ihnen, es sey dergleichen wie Seine Majestät selbst tränken. Er schmeckte ihnensehr wohl, weil es den Tag ziemlich kalt gewesen war, und sie eine lange Weile im Hofeund in der freyen Luft gewartet hatten.

Nachdem sie noch einige Fragen beantwortet hatten, gab der Kaiser einem seiner Mi-nister, der Generalgouverneur der westlichen Tartarey war, Befehl, sie mit sich zum Abend-essen zu nehmen. Sie giengen hierauf mit den Jesuiten nach dessen Hause und wurdenherrlich bewirthet. Er sprach mit ihnen bis Mitternacht von den europäischen Gebräuchen,und meldete ihnen, wie sie Abschied nahmen, es sey dem Kaiser, gefällig, daß sie sich vorAufgange der Sonne bey Hofe zeigen sollten ä).

Den i2ten kamen noch vor Anbruche des Tages zweene Mandarinen, ihnen zu mel-den , der Kaiser sey schon aufgestanden, und habe nach ihnen gefragt. Sie folgten densel-ben nach dem Pallaste und wurden von dem Oberkämmerer, einem Verschnittenen, mit Theebewillkommet, der ihnen berichtete, Seine Majestät hätten Staatsgeschäffte vor, und ver-langten , sie sollten so lange bey ihm verziehen, bis sie zur Audienz gefordert würden. Wienun um zwey Uhr Nachmittage alle Staatsbedienten abgefertigt waren, so kam vorgemeldeterVornehmer, mit dem sie den Abend zuvor gespeist hatten, sie zu fragen, ob sie Seine Ma-jestät selbst sehen wollten. Sie antworteten, in einem von Europa so entfernten Lande könnteihnen keine größere Ehre wiedersahren, als wenn sie die Erlaubniß erhielten, einem so gro-ßen Monarchen aufzuwarten.

Er kam bald wieder zurück, und vermeldete ihnen Seiner Majestät Erlaubniß vor de-nenselben zu erscheinen, wobey die beyden Jesuiten Dollmetscher seyn sollten. Sie giengenalso zwischen den letztem fort, und wurden durch einen dritten Hof in eine Halle geführt,wo der Kaiser auf dem Throne saß. Als sie hineintraten, so mußten sie niederknien undsich dreymal neigen, daß die Köpfe ganz an die Erde kamen. Sie erhoben sich hieraufwieder, und verrichteten diese Ceremonie das zweyte- und drittemal, und blieben mit aufge-richtetem Leibe kniend. Der Kaiser befahl, sie sollten sich dem Throne nähern, worauf sie einervon den Kämmerern bey den Händen zur Linken Seiner Majestät führte, die Jesuiten aberstellten sich zu seiner Rechten, wo sie wieder alle auf dazu hingelegte Küssen knieten.

Der Kaiser erkundigte sich, wie sich Seine Czaarische Majestät befänden, und wie langesie unterwegenö gewesen wären, worauf er fragte, ob sie in ihren engen und kurzen Kleidernnicht frören? Sie antworteten, die hiesige Kälte wäre ihnen eben nicht so empfindlich, dasie der rußischen viel strengeren gewohnt waren; gleichwohl wüßten sie sich auch vermittelstguter Pelze dawider zu verwahren.

Hierauf

S) Laugen« Tagmgister im gegenwärtigen Staate von Rußland II Band a. d. 21 u. f. S.