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Reifen der Franzosen und anderer
1671. re mit seiner Flinte, der Araber mit seinem Bogen. Doch der Reuter hielt gleichfallsstille, und rief ihnen auf türkisch zu, er verlangte sie nicht zu beleidigen. Wahrenden Re-dens zog er sich wieder zurück, damit man ihn mit der Flinte nicht erreichen könnte, alswelche ihm verdächtig zu seyn schien. Als er sicher zu seyn glaubte, so winkte er mit derHand, ließ seine Lanze sinken, und verlangte, die beyden Ausländer zu sprechen.
Agi Hassem ritt ohne vieles Bedenken zu ihm. Carre ließ sie einen Augenblickallein beysammen. Doch da der Reuter nach einem kurzen Gespräche erfahren hatte, erhabe nichts zu besorgen, so stieg er ab, und die Unterredung wurde allgemein. Er machteunterdessen wenig Wortgepränge; denn sein Unglück lag ihm so sehr im Sinne, daß ervon nichts anders reden konnte. Er sagte: ich habe eine große Gesellschaft bey mir, sieliegt hinter der Anhöhe, und ich soll sie nach Aleppo führen- Sie belieben mit mir dahinzu gehen, so werden sie unser Elend sehen, und vielleicht uns daraus erretten können-Carre bestieg hierauf den Hügel nebst seinem Wegweiser. Hier sahen sie eine Cara-vans , die aus einem Dutzend Knechten, und etwa hundert Cameelen bestund, welche einpaar hundert junge Mägdchen von zwölf bis fünfzehn Jahren fortbringen sollten. Diesewaren zwar meistentheils sehr schön, aber in einem Zustande, den man ohne Mitleidennicht ansehen konnte. Sie lagen mit thränenden Augen auf der Erde; einige verübten einjämmerliches Klaggeschrey, andere rissen sich die Haare aus, alle insgesammt aber thaten,als ob sie verzweifeln wollten.
„Zeit Lebens, saget der Verfasser, habe ich keinen so erbärmlichen Anblick gesehen.„Ob ich nun gleich einigermaßen errieth, was es seyn möchte: so fragte ich dennoch den„türkischen Reuter, wer die armen Mägdchen wären, und warum sie dermaßen wehklag-ten? Er antwortete auf italiänisch, er sey ein verdorbener Mann, und in hundertmal„größerer Verzweifelung, als alle diese Mägdchen mit einander. Ich habe sie,fuhr er fort,„theuer gekauft, und seit zehn Jahren mit großer Mühe und Aufwande erzogen. Es sind„die schönsten Personen, die ich in ganz Griechenland, Georgien und Armenien finden konn-te, und nun, da ich sie zu Bagdad verkaufen wollte, weil um diese Jahreszeit Persien,„Arabien und die Mogolschen Lande sich mit dieser Waare versehen, muß ich sie zu meinem„größten Unglücke Durst sterben sehen, und zwar bloß deswegen, weil ich den Weg durch„die Wüste als den sichersten erwählte. Diese Erzählung erweckte mir einen Abscheu gegen„seine Person und Handthierung. Doch ließ ich mich nichts merken, damit wir das übri-„ge von seiner Geschichte erfahren möchten. Er fuhr demnach unbesorget fort, zeigete uns„frisch zugeworfene Gräber, und sagte: Ich habe schon über zwanzig Mägdchen und zehn„Verschnittene einscharren lassen, die sich den Tod am Brunnenwasser tranken. Denn„dieses ist ein tödtliches Gift für Menschen und Vieh. Ja es ist kaum mehr etwas Was-ser darinnen vorhanden, sondern nichts als todte Heuschrecken, davon der bloße Geruch ei-„nen Menschen tödten möchte. Wir müssen von Cameelsmilch leben; und wenn wir nicht„bald Wasser antreffen, so werde ich kaum die Hälfte lebendig davon bringen.
„Indem ich die Barbarey des gottlosen Kerls im Herzen verfluchte, liefen mir die„Augen über den erbärmlichen Zustand der armen Mägdchen voll Thränen. Aber beyna-„he wäre ich vor Jammer und Mitleiden gar gestorben, als ich neun bis zehn mit dem To--„de ringen, und auf den schönsten Gesichtern von der Welt die. Zeichen ihres bevorstehen-den Verbleichens sah. ' „Ich
r) Ebendas. S-20z. Bande. Carre erzählet, die Franzosen hätten die
Man sehe dessen Reisebeschreibung im VIII Aufhebung dieser Belagerung dem Sevagy zu
dan-