Band 
Dreyzehnter Band.
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516
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Reisen und Entdeckungen

^Beschreib, bewässert wird. Besagter Fluß durchläuft das nur erwähnte Thal, nimmt seinen WegvonNeuspa- bey Chiapa dos Indes vorbey, und stürzet sich durch die Landschaft Tabasco, davon er, den Namen annimmt, in das Nordmeer. Ungeachtet die Luft zu Chiapa el Real undComitlan wegen des nahen Gebirges sehr kalt ist: so ist doch in dem ganzen Thäte nicht nurdie Hitze groß genug, sondern es toben auch daselbst vom May bis in den Herbstmonatheftige Stürme mit entsetzlichen Donnerschlägen. Die Länge des Thales beträgt etwa vier-zig englische Meilen, die Breite aber zehn bis zwölf. In dem vornehmsten Dorfe, das istin demjenigen, davon es seinen Namen hat, wohnen über achthundert indianische Haushal-tungen. Denn übrigens ist das hinten im Thale gegen Süden, oder am Fuße des cu-chumatlanischen Gebirges gelegene Dorf Izquintenango, noch weit größer; ja, es hatauch das Dorf G. Barcheleiny, das an der Nordecke liegt, sowohl an Größe als an Men-ge der Einwohner einen Vorzug vor ihm. Alle übrige Dörfer liegen weiter gegen Soconusco,und die Hitze wird desto größer, je näher sie dem Südmeere sind. Die erstaunliche MengeVieh, die man in diesem Thale zieht, die Fische, davon der Fluß wimmelt, das Wildprät,das Geflügel, das Obst nebst dem vielen Honig, Tabac und Zucker, das man darinnen ge-winnet , setzen alle seine Einwohner in bequeme Umstände. Hingegen ist hier das Geldweit seltener, als in den Landschaften Mexico und Guaxaca. Ueber dieses wimmelt eben derFluß, welcher seinen Ufern die ungemeine Fruchtbarkeit mittheilet, von Crocodilen, derenZähne den Kindern und dem jungen Viehe sehr gefährlich sind.

Spanisch Chiapa oder Ciudad Real ist eine von den kleinesten Städten in Ame-rica /). Sie besteht aus etwa vierhundert spanischen Haushaltungen, und ungefähr hun-dert der Stadt angehängten Häusern, welche die Vorstadt ausmachen. Sie hat außerdem Dom, keine andere Pfarrkirche, wohl aber drey arme Klöster, nämlich ein Domi-nicaner , ein Franciscaner, und ein Nonnenkloster, welche den Einwohnern zur Last fal-len. Die meiste Handlung besteht in Cacao, Baumwolle, und zuweilen in Cochenille,welches alles die dasigen Handelsleute auf dem Lande einkaufen, und mit allerley kurzerWaare bezahlen. Sie haben ihre Buden auf einem einzigen Plätzchen bey der Domkir-che, wo die Indianer gleichfalls allerley Spezerey und gebrannte Wasser feil haben.Zwar reisen die vermöglichsten Handelsleute nach Tabasco, und holen daselbst allerley spa-nische Waaren ab, als Wein, Leinwand, Feigen, Rosinen, Oliven und Eisen: allein, siedürfen in der Ungewißheit, wer ihnen die Waare abnehmen werde? nicht viel einkaufen,gleichwie denn der größte Theil dieser kleinen Ladung für die beyden Mannesklöster be-stimmt

5) Man setzet sie unter sechzehn Grade, zwan-zig Minuten Norderbreite.

e) Wie Gage meldet, so haben die chiapischenEdelleute Gelegenheit zu einem Sprichworts gege-ben, das man von einem Windbeutel der vornehmund geschickt thun will, in der Haut aber ein Bett-ler und elender Stümper ist, gebrauchet. Sie ge-ben sich alle mit einander für Nachkömmlinge ir-gend eines spanischen Herzoges, oder doch einesvon den ersten Eroberern des Landes aus: gleich-wohl aber kann nicht« ungeschl-*sener, als ihr Ver-stand und ihre Lebensart seyn. Die Vornehmstenlegen sich prächtige Namen bey, als z.E. Lorrex,

Velasco, Toledo, Fern«, LNendoza, lebenaber dabey in äußerster Armuth, und beschäffki-gen sich bloß mit der Viehzucht. Einige legrendem Gage die schöne Frage vor, ob denn auchSonne und Mond in England eben dergleichenFarbe habe, als zu Chiapa? und ob die englischenFrauen ihre Frucht eben so lange trügen, als diespanischen? Ebendas.

») Der Bischof, welcher Don Bernarv VcSalararhieß, ersuchete mich, saget Gage, ihmbey Besiichnng der zunächst bey Chiapa gelegenenDörfer, Gesellschaft zu leisten, und mußte ich,wenn er die Kinder firmelte, das Qpferbecken hal-ten.