6is Reisen und Entdeckungen
Beschreib, dieselbe, auch noch viele andere. Sobald die Ueberwinder von America sich darinnenvonNeuspa- festgesetzet hatten, kam ein Haufen Landläufer dahin, die sich für Officiere und Sol-_, daken ausgaben, und unter mancherley, sowohl dem Christenthums, als auch der spani-schen Großmuth unanständigen Vorwande, diese reichen Landschaften verheereten, die Schä-tze der Indianer plünderten, und die armen Leute nicht nur ihres Vermögens, sondernauch ihrer Freyheit beraubeten. Dieses verursachet«, daß viele Völkerschaften, welche be-reits auf unserer Seite waren, das Joch abzuschütteln sucheten. Weil die königliche Ge-walt von den Urhebern der Unordnung schlecht unterstützet wurde: so schwuren.uns alleVölker, die wir für lauter gehorsame Leibeigene ansahen, den Untergang. Bisher hat esihnen an Muth und Kräften gefehlet, sollten aber einige wohlgeübte Völker ins Land kom-men, absonderlich im Guatimalischen, oder in der Gegend von Costa ricca, woselbst die vonuns also genannten Indios bravos oder Indios de Gnerra wohnen, und es setzeten besagteVölker entweder an der Nord - oder Südseeküste festen Fuß: so würden im Augenblicke,nicht nur die alten Landeöeinwohner, die Schwarzen, Leibeigenen und die Mestizen, sondernauch viele Creolen, einen Aufstand erregen. Man dürfte sie nur mit Gewehre, Pulver undBleye versorgen, überdieses auch glimpflich und uneigennützig mit ihnen umgehen, damitman ihnen die Meynung, die sie voritzt haben, als ob nämlich die ganze Absicht der Euro-päer nur auf ihre Schätze abziele, aus dem Kopfe brächte. Sie sind schon dermaßen be-gierig, ihrer Knechtschaft einmal ein Ende zu machen, daß alle Jahre eine große Anzahldavon läuft, sich tiefer ins Land, auf unzugängliche Gebirge begiebt, und von solchen niewieder herabkömmt, als nur um den spanischen Reisenden aufzupassen, und sie zu ermor-den 6).
Ich habe nicht ohne Ursache gemeldet, es sey in diesem Lande das Ansehen des Köni-ges durch die unersättliche Gierigkeit derjenigen, welche es aufrecht erhalten sollten, beynahein nichts verwandelt worden. Denn da die königlichen Beamten von ihrem Herrn so weitentfernet sind: so ziehen sie bey Erklärung der Gesetze sonst niemanden, als ihren Eigennutzzu Rathe. Die Untcrkönige liegen mit ihren Unterbeamten unter einer Decke. Sie sau-gen die Indianer bis auf das Mark aus; sie verkaufen die Gerechtigkeit um Geld; sie sindgegen die offenbareste Billigkeit blind und taub. Das ganze Land ist voll armseliger Leute,die vor Armuth verschmachten, und ihre Noth auf das kläglichste vorstellen: aber niemandachtet darauf. Zu diesem ungerechten tyrannischen Verfahren kömmt noch eine gleich großeUnwissenheit. „Ich habe mit eigenen Ohren angehöret, daß von ebendemselbigen Ge-„richtsstuhle, ja fast zu ebenderselben Stunde, in zween Fallen, davon einer gerade das Ge-gentheil von dem andern war, einerley Urtheil gefällst wurde. Man suchte den Richtern
„den
ä) Ebendas. I Theil, rs Eap. war. Bey seiner Ankunft zu Vera Cruz wurde er
/) Ebendaselbst. in dem Kloster seines Ordens aufgenommen. Zu
m) Bloß der Wahrheit zur Steuer, wollen wir seiner größten Verwunderung fand er gleich beymeinige Beyspiele anführen. Gage, der selbst ein Eintritt«, daß es von einem jungen Flattergciste,Mönch war, und den man nicht beschuldigen kann, welcher dem Supcrior dieses Amt für tausend Du-er habe in Andalusien, woselbst er in den Orden trat, raten abgekauft hatte, regieret wurde. Er gedachteallzustrenge Grundsätze eingesvgen, beseufzet allemal, eine schöne Büchersammlung anzutreffen: allein kei-ft oft er auf die Klöster in Neuspauien zu reden der l es bestund der ganze Verrath in einem Du-kömmt, das üppige Leben, das er darinnen führen tzend alter Schwarten, welche hinter dem Spinnewe-fth, und die Ausschweifungen, davon er ein Zeuge den in einem staubichten Winkel, einer ungestörten
Ruhe