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Der lehrende Vogel.
Ich harre dieß Gedicht des Abends spar gemacht.Wie ich nun früh. mein Vogelchen zu sehen,
Ihm und den andern Futter bracht:
War es bereits um ihn geschehen.
Ich fand ihn todt, erstarrt, und ohne Leben liege».Hierüber stutzt ich recht. Mich übernahm,
Eh ich mich recht besann, ein bittrer Gram;
Es preßt und drückt mich recht ein innig llnvergnügen.Doch faßt ich bald darauf mich wieder,
Und dacht: Es kömmt mir gleichsam für,
Als ob dieß kleine Thier
Nur darum bloß so lange leben wollen,
Bis ich, durch ihn gereizt, die aufgesetzten LiederVerfertigen und machen sollen,
Die wirklich, sonder ihn, zu Gottes Ehren,
Wohl nicht verfertigt worden waren.
* * *
So hast du auf der Welt was nützliches vollbracht,Geliebtes Thier, und stirbst zu rechter Zeit.
Drum sag ich dir, wiewohl nicht sonder Zärtlichkeit,Die letzte gute Nacht.
Und wo vielleicht, geliebtes Vögelein,
Da nichts zu nichts wird, und vergehet,
Dein kleines Geistchen noch bestehet:
So wünsch ich, daß ihm wohl mag seyn.